Genzukunft

Genetik verstehen · Zukunft mitdenken

Unterrichtsreihe: Populationsgenetik und Evolution (Oberstufe)

Unterrichtsreihe 7 von 7Alle Unterrichtsreihen

Evolution wird messbar, wenn man auf Allelfrequenzen schaut: Die Reihe erarbeitet Genpool und Hardy-Weinberg-Gesetz als Nullmodell, prüft Abweichungen mit dem Chi-Quadrat-Test und untersucht Selektion und Gendrift im Evolutions-Simulator und an belegten Beispielen. Den Abschluss bilden Anwendungen von Resistenzen bis zu Erbkrankheiten.

Steckbrief

MerkmalAngabe
ZielgruppeOberstufe (Qualifikationsphase, grundlegendes und erhöhtes Anforderungsniveau)
Umfang6 Doppelstunden à 90 Minuten
VorwissenMendel-Genetik und Punnett-Quadrat (siehe Vererbung: Mendel und Mensch), Mutationen (siehe Molekulargenetik: vom Gen zum Merkmal); Produktregel der Wahrscheinlichkeitsrechnung
LeitfrageWie verändert sich der Genpool einer Population – und woran erkennt man, dass Evolution stattfindet?
AusstattungTablets oder Laptops (ein Gerät pro Paar) für den Evolutions-Simulator; Beutel mit verschiedenfarbigen Kugeln oder Papierkärtchen für das Drift-Modell; Taschenrechner
LernkontrolleÜbungsklausur im Klausurtrainer; Klausur mit Rechen- und Deutungsaufgaben; Beobachtungsaufträge des Simulators

Kompetenzbereiche nach den KMK-Bildungsstandards

  • Sachkompetenz: Population, Genpool, Allelfrequenz, Hardy-Weinberg-Gleichgewicht und Evolutionsfaktoren erklären (Individuelle und evolutive Entwicklung).
  • Erkenntnisgewinnung: Allel- und Genotypfrequenzen berechnen; Hypothesen mit dem Chi-Quadrat-Test prüfen; Simulationen planen, durchführen und auswerten.
  • Kommunikation: Diagramme von Simulationsläufen und Verteilungskurven beschreiben und deuten.
  • Bewertung: Alltagsaussagen über Evolution, Resistenzen und historische Fehlannahmen der Eugenik fachlich beurteilen; Modellgrenzen reflektieren.

Die Doppelstunden im Überblick

Nr.ThemaSchwerpunktZentrale Seiten
1Population, Genpool, AllelfrequenzRechnen mit der ZählmethodePopulationsgenetik, Genpool, Allelfrequenz berechnen
2Das Hardy-Weinberg-GesetzMathematisches Modell als NullmodellHardy-Weinberg-Gesetz, Hardy-Weinberg-Aufgaben, Evolutions-Simulator
3Abweichungen prüfen – Panmixie und Chi-Quadrat-TestErkenntnisgewinnung: Hypothesen testenPanmixie, Chi-Quadrat-Test, Hardy-Weinberg-Aufgaben
4SelektionSimulation und belegte BeispieleVerschiebung von Genfrequenzen, Selektionsformen, Evolutions-Simulator
5Gendrift – Flaschenhals- und GründereffektZufall im Modell und in der NaturFlaschenhals- und Gründereffekt, Evolutions-Simulator, Genpool
6Evolution anwenden – Resistenzen, Erbkrankheiten, ModellkritikTransfer und BewertungGefahren der Gentechnik, Bt-Mais, Hardy-Weinberg-Aufgaben, Evolutions-Simulator

Abkürzungen in den Verlaufstabellen: EA = Einzelarbeit, PA = Partnerarbeit, GA = Gruppenarbeit, UG = Unterrichtsgespräch, LV = Lehrkraftvortrag. Auf schmalen Bildschirmen lassen sich die Tabellen seitlich verschieben.

Doppelstunde 1: Population, Genpool, Allelfrequenz

Ziele

Die Schülerinnen und Schüler …

  • definieren Population, Genpool und Allelfrequenz,
  • unterscheiden Genotypfrequenz und Allelfrequenz,
  • berechnen Allelfrequenzen mit der Zählmethode, auch für drei Allele und X-chromosomale Gene,
  • erklären, warum Evolution an Populationen und nicht an Individuen sichtbar wird.
PhaseZeitInhalt / AktivitätSozialformMaterial
Einstieg10 minAussage „Weil das Allel für braune Augen dominant ist, werden blaue Augen irgendwann aussterben.“ Abstimmen, Begründung später.UGPopulationsgenetik: Aufg. 4
Erarbeitung20 minBegriffe Population, Genpool, Allelfrequenz; genetische Vielfalt.EAPopulationsgenetik: Aufg. 1; Genpool: Abschnitt „Genpool: Definition und Beispiel“
Übung25 minZählmethode Schritt für Schritt; Bänderschnecken, Wunderblumen, Genotypfrequenzen.PAAllelfrequenz berechnen: Aufg. 2–3; Populationsgenetik: Aufg. 2
Erweiterung15 minSonderfälle: X-chromosomales Allel und drei Allele.PAAllelfrequenz berechnen: Aufg. 4–5
Sicherung15 min„Nicht Individuen evolvieren, sondern Populationen“; zurück zur Einstiegsaussage.UGPopulationsgenetik: Aufg. 3
Abschluss5 minZwei Fragen aus dem Selbsttest.EAPopulationsgenetik: Selbsttest

Hausaufgabe und Differenzierung

Hausaufgabe: Aufgabe 6 auf Allelfrequenz berechnen (zwei Lösungswege beurteilen).

Doppelstunde 2: Das Hardy-Weinberg-Gesetz

Ziele

Die Schülerinnen und Schüler …

  • stellen die Hardy-Weinberg-Gleichungen auf und erklären, woher sie kommen,
  • nennen die Bedingungen einer idealen Population,
  • berechnen aus der Häufigkeit Erkrankter den Anteil der Anlageträger,
  • erläutern, warum das Modell als Vergleichsmaßstab für Evolution dient.
PhaseZeitInhalt / AktivitätSozialformMaterial
Einstieg10 minWie viele Menschen tragen das Mukoviszidose-Allel? Schätzen, dann im Rechenbeispiel prüfen.UGHardy-Weinberg-Gesetz: Abschnitt „Rechenbeispiel“
Erarbeitung25 minGleichungen herleiten; Bedingungen der idealen Population; Genotyp-Häufigkeiten für p = 0,7.EA, PAHardy-Weinberg-Gesetz: Aufg. 1–2
Übung20 minRechenschema anwenden: rezessives Merkmal bei 9 %, Phenylketonurie, mischerbige Anteile.PAHardy-Weinberg-Aufgaben: Aufg. 2, 3 und 5
Simulation20 minEvolutions-Simulator: Nullmodell beobachten; Genotyp-Balken mit den Hardy-Weinberg-Markierungen vergleichen; Anlageträger bei Mukoviszidose berechnen.PAEvolutions-Simulator: Aufg. 1 und 3
Sicherung10 minBei welchem q gibt es die meisten Heterozygoten?UGHardy-Weinberg-Gesetz: Abb. 1, Aufg. 4
Abschluss5 minMerksatz: Das Modell beschreibt eine Population ohne Evolution.UG–

Hausaufgabe und Differenzierung

Hausaufgabe: Aufgaben 4 und 6 auf Hardy-Weinberg-Aufgaben.

Doppelstunde 3: Abweichungen prüfen – Panmixie und Chi-Quadrat-Test

Ziele

Die Schülerinnen und Schüler …

  • definieren Panmixie und unterscheiden Formen nicht zufälliger Paarung,
  • prüfen, ob eine Population im Hardy-Weinberg-Gleichgewicht ist,
  • führen einen Chi-Quadrat-Test durch (Nullhypothese, Erwartungswerte, Freiheitsgrade, kritischer Wert),
  • beurteilen die Aussagekraft eines Tests bei kleinen Stichproben.
PhaseZeitInhalt / AktivitätSozialformMaterial
Einstieg10 minDarf man das Hardy-Weinberg-Gesetz beim Menschen anwenden, obwohl Menschen ihre Partner bewusst wählen?UGPanmixie: Aufg. 5
Erarbeitung I20 minPanmixie und ihre Gegenteile; Folgen für den Anteil Mischerbiger.PAPanmixie: Aufg. 1–3
Erarbeitung II25 minChi-Quadrat-Test Schritt für Schritt an Mendels dihybrider Kreuzung; anschließend Mendels Ergebnis zur Blütenfarbe prüfen.EA, PAChi-Quadrat-Test: Aufg. 1–2
Anwendung20 minSind zwei Populationen im Gleichgewicht? Mit und ohne Chi-Quadrat-Test.PAHardy-Weinberg-Aufgaben: Aufg. 4; Chi-Quadrat-Test: Vertiefung „Prüft eine Population das Hardy-Weinberg-Gleichgewicht?“
Sicherung10 min30 gezählte Pflanzen: Was darf man schließen?UGChi-Quadrat-Test: Aufg. 5
Abschluss5 minSchrittfolge des Tests als Karte festhalten.EA–

Hausaufgabe und Differenzierung

Hausaufgabe: Aufgabe 3 oder 4 auf Chi-Quadrat-Test.

Doppelstunde 4: Selektion

Ziele

Die Schülerinnen und Schüler …

  • nennen die Evolutionsfaktoren und beschreiben ihre Wirkung auf den Genpool,
  • erklären Selektion an Birkenspanner und Sichelzell-Allel,
  • beschreiben die drei Selektionsformen und erkennen sie an Verteilungskurven,
  • erläutern den Heterozygotenvorteil.
PhaseZeitInhalt / AktivitätSozialformMaterial
Einstieg10 minZitat aus einer Talkshow: „Bakterien passen sich an Antibiotika an, weil sie überleben wollen.“ Was stimmt daran nicht?UGVerschiebung von Genfrequenzen: Aufg. 5
Erarbeitung I20 minEvolutionsfaktoren im Überblick: Mutation, Selektion, Gendrift, Migration.EAVerschiebung von Genfrequenzen: Aufg. 1
Simulation20 minModell „Birkenspanner“: drei Abschnitte der Kurve beschreiben und mit Selektion und Migration erklären.PAEvolutions-Simulator: Aufg. 4; Verschiebung von Genfrequenzen: Aufg. 2
Erarbeitung II20 minSelektionsformen an Verteilungskurven; Darwinfinken und Geburtsgewicht zuordnen.PASelektionsformen: Aufg. 1–2
Transfer15 minHeterozygotenvorteil: Sichelzell-Allel in Malariagebieten; im Simulator die Malaria „abschalten“.PA, UGVerschiebung von Genfrequenzen: Aufg. 4; Evolutions-Simulator: Aufg. 5
Abschluss5 minZurück zum Einstiegszitat: eine fachlich korrekte Formulierung.UG–

Hausaufgabe und Differenzierung

Hausaufgabe: Aufgabe 6 auf Selektionsformen („Durch die moderne Medizin gibt es beim Menschen keine Selektion mehr“) oder Aufgabe 8 auf Hardy-Weinberg-Aufgaben.

Doppelstunde 5: Gendrift – Flaschenhals- und Gründereffekt

Ziele

Die Schülerinnen und Schüler …

  • definieren Gendrift, Flaschenhalseffekt und Gründereffekt,
  • erklären an einem Modell, warum eine kleine Stichprobe die Allelfrequenzen verschiebt,
  • werten belegte Beispiele aus (Gepard, Nördlicher See-Elefant, Pingelap),
  • grenzen Gendrift von Selektion ab und beurteilen Folgen für den Artenschutz.
PhaseZeitInhalt / AktivitätSozialformMaterial
Einstieg10 minKugelmodell: Aus einem Beutel mit verschiedenfarbigen Kugeln ziehen Gruppen je fünf Kugeln. Wie unterscheiden sich die „neuen Populationen“?GAFlaschenhals- und Gründereffekt: Abb. 1
Simulation20 minModell „Gendrift“ mit kleiner Population und mit N = 1000 laufen lassen und vergleichen.PAEvolutions-Simulator: Aufg. 2
Erarbeitung25 minArbeitsteilig: Gepard, Nördlicher See-Elefant, Gründereffekt auf Pingelap.GAFlaschenhals- und Gründereffekt: Aufg. 1, 2 und 4
Sicherung15 minFlaschenhals- und Gründereffekt vergleichen; Gendrift oder Selektion?UGVerschiebung von Genfrequenzen: Aufg. 3; Flaschenhals- und Gründereffekt: Abschnitt „Gendrift oder Selektion?“
Bewertung15 minAussage „Der See-Elefant zählt wieder über 200.000 Tiere – genetische Vielfalt ist unwichtig“ beurteilen.PAFlaschenhals- und Gründereffekt: Aufg. 6
Abschluss5 minMerksatz: Drift wirkt zufällig und in kleinen Populationen stark.UG–

Hausaufgabe und Differenzierung

Hausaufgabe: Aufgabe 5 auf Flaschenhals- und Gründereffekt (mtDNA-Varianten der See-Elefanten deuten) oder Aufgabe 4 auf Genpool.

Doppelstunde 6: Evolution anwenden – Resistenzen, Erbkrankheiten, Modellkritik

Ziele

Die Schülerinnen und Schüler …

  • erklären die Entstehung von Resistenzen mit dem Selektionsbegriff,
  • wenden Hardy-Weinberg und Evolutionsfaktoren auf reale Fälle an,
  • beurteilen die Aussagekraft und die Grenzen eines Simulationsmodells,
  • beurteilen historische Annahmen der Eugenik aus populationsgenetischer Sicht.
PhaseZeitInhalt / AktivitätSozialformMaterial
Einstieg10 minKartenabfrage: Welche Faktoren verändern den Genpool, welche nicht?UG–
Fallarbeit30 minStationen: (A) glyphosatresistente Unkräuter, (B) Resistenz des Maiswurzelbohrers gegen Bt-Mais, (C) Sichelzell-Allel ohne Malaria, (D) Annahmen der Eugenik.GAGefahren der Gentechnik: Aufg. 3 (A); Bt-Mais: Aufg. 4 (B); Evolutions-Simulator: Aufg. 5 (C); Hardy-Weinberg-Aufgaben: Aufg. 9 (D)
Präsentation20 minGruppen stellen ihre Fälle vor; Evolutionsfaktor benennen.PlenumErgebnisse der Stationen
Modellkritik15 minWelche Vereinfachungen macht der Simulator, welche Fragen beantwortet er trotzdem gut?PAEvolutions-Simulator: Aufg. 6
Sicherung10 minConcept Map der Evolutionsfaktoren mit Beispielen.UG–
Abschluss5 minHinweis auf die Übungsklausur.UGKlausurtrainer

Hausaufgabe und Differenzierung

Hausaufgabe: Übungsklausur im Klausurtrainer; wahlweise Gene Drive als Bewertungsaufgabe (Streitfrage 5 der Ethik-Arena).

Abschluss und Leistungsüberprüfung

Der Evolutions-Simulator enthält fünf Beobachtungsaufträge und sechs Aufgaben (AFB I–III). Eine Bewertungsaufgabe mit populationsgenetischem Kern bietet Streitfrage 5 der Ethik-Arena („Gene Drives gegen Malaria-Mücken?“). Für eine Klausur bieten sich an:

Klausurtrainer (Übungsklausur, Quiz-Mix und Operator-Training mit Aufgaben der jeweiligen Seite): Allelfrequenz berechnen · Hardy-Weinberg-Gesetz · Hardy-Weinberg-Aufgaben · Chi-Quadrat-Test · Verschiebung von Genfrequenzen · Flaschenhals- und Gründereffekt · Selektionsformen

Karteikarten zur Wiederholung der Fachbegriffe: Populationsgenetik · Hardy-Weinberg-Gesetz · Verschiebung von Genfrequenzen · Flaschenhals- und Gründereffekt · Selektionsformen

Hinweise zur Durchführung

  • Artbildung und Stammesgeschichte sind auf genzukunft.de nicht eigens ausgearbeitet. Ergänzen Sie diese Themen bei Bedarf mit Ihrem Lehrbuch.
  • Der Evolutions-Simulator nennt als Zeitbedarf etwa 30 Minuten für die Einführung mit den Modellen; alle Beobachtungs- und Arbeitsaufträge füllen eine Doppelstunde.
  • Bei der Station zur Eugenik (Doppelstunde 6) ist eine klare historische Einordnung wichtig: Die Aufgabe beurteilt eine falsche Annahme, sie stellt sie nicht zur Diskussion.

Weitere Unterrichtsreihen

Quellen & Stand

Stand: Oktober 2026. Zeitangaben sind Richtwerte für eine Doppelstunde von 90 Minuten.

„Unterrichtsreihe: Populationsgenetik und Evolution (Oberstufe)“ von genzukunft.de – Lizenz: CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.de) – Quelle: https://www.genzukunft.de/lehrkraefte/unterrichtsreihen/populationsgenetik-und-evolution/ – Logo und Wortmarke sind ausgenommen.

Diese Website setzt nur technisch notwendige Cookies. Die Reichweitenmessung mit Matomo läuft ohne Cookies auf unserem eigenen Server.