CRISPR/Cas9 – die Genschere
Ein Werkzeug aus Bakterien, mit dem sich fast jedes Gen an einer selbst gewählten Stelle zerschneiden lässt: Das ist CRISPR/Cas9, die „Genschere“. Seit 2012 hat sie die Biologie verändert, 2020 gab es dafür den Nobelpreis – und seit 2023 ist die erste CRISPR-Therapie für Patientinnen und Patienten zugelassen.
Das lernst du hier
- Du kannst beschreiben, wie Bakterien CRISPR als Immunsystem gegen Viren nutzen.
- Du kannst erklären, wie Guide-RNA, PAM und Cas9 zusammenwirken, um die DNA an einer bestimmten Stelle zu schneiden.
- Du vergleichst die beiden Reparaturwege NHEJ und HDR und ihre Folgen.
- Du nennst Anwendungen in Medizin, Landwirtschaft und Forschung.
- Du beurteilst Risiken und ethische Grenzen, besonders bei Eingriffen in die Keimbahn.
Ein Immunsystem aus Bakterien
Auch Bakterien werden von Viren angegriffen. Diese Viren heißen Bakteriophagen (kurz Phagen): Sie schleusen ihre DNA in das Bakterium und lassen sich dort vermehren. Viele Bakterien haben eine Abwehr entwickelt, die wie ein Gedächtnis funktioniert.
Überlebt ein Bakterium einen Angriff, baut es ein kurzes Stück der Phagen-DNA in einen besonderen Abschnitt seines eigenen Erbguts ein. Dieser Abschnitt heißt CRISPR (englisch clustered regularly interspaced short palindromic repeats, etwa „gehäufte, regelmäßig unterbrochene kurze Wiederholungen“). Dort wechseln sich immer gleiche Wiederholungen mit diesen Virus-Schnipseln ab, den Spacern. Das Bakterium schreibt die Spacer in kurze RNA-Stücke um. Kommt derselbe Phage wieder, erkennt die RNA seine DNA durch Basenpaarung. Ein Protein aus der Cas-Familie (CRISPR-assoziiert) zerschneidet sie dann. 2007 zeigten Forschende das an Milchsäurebakterien, die für die Joghurtherstellung genutzt werden.
Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna erkannten, dass sich dieses System umbauen lässt: Tauscht man die Erkennungssequenz der RNA aus, schneidet das Protein Cas9 (aus dem Bakterium Streptococcus pyogenes) jede gewünschte DNA-Stelle. Ihre Arbeit erschien im Juni 2012 in der Zeitschrift Science.
So funktioniert die Genschere
Die Genschere hat zwei Teile: das Schneideprotein Cas9 und eine Guide-RNA („Führungs-RNA“). Die Guide-RNA enthält eine 20 Basen lange Erkennungssequenz, die Forschende passend zum Ziel-Gen entwerfen, und ein Gerüst, mit dem sie an Cas9 bindet. Dass es inzwischen auch ohne vollständigen Doppelstrangbruch geht, zeigt das Kapitel zu Base Editing und Prime Editing.
- Guide-RNA entwerfenForschende wählen im Ziel-Gen eine 20 Basen lange Stelle, hinter der eine PAM liegt, und bauen die passende Erkennungssequenz in die Guide-RNA ein.
- Komplex bildenGuide-RNA und Cas9 lagern sich zu einem Komplex zusammen. Er wird in die Zellen gebracht, zum Beispiel als fertiger Komplex, als mRNA oder über einen Vektor.
- PAM suchenDer Komplex gleitet an der DNA entlang und stoppt nur an einer PAM (protospacer adjacent motif). Für Cas9 lautet sie NGG: eine beliebige Base (N), dann zwei G.
- AbgleichenCas9 öffnet den Doppelstrang. Die Guide-RNA prüft per Basenpaarung, ob der Zielstrang passt. Nur bei (nahezu) vollständiger Übereinstimmung geht es weiter.
- SchneidenCas9 durchtrennt beide DNA-Stränge drei Basenpaare vor der PAM. Es entsteht ein Doppelstrangbruch.
Selbst ausprobieren
In der Gen-Schere im Gen-Labor suchst du selbst die PAM, setzt die Guide-RNA an und beobachtest, welche Reparatur folgt.
Nach dem Schnitt: Die Zelle repariert
Cas9 schneidet nur. Was danach passiert, entscheidet die Zelle selbst: Ein Doppelstrangbruch ist gefährlich, deshalb repariert sie ihn sofort. Dafür gibt es zwei Hauptwege (mehr dazu auf der Seite Reparatur der DNA):
NHEJ (non-homologous end joining, nicht-homologe Endverknüpfung) klebt die Enden einfach wieder zusammen. Das geht schnell, ist aber fehleranfällig: Oft fehlen danach ein paar Basen oder es sind welche dazugekommen. Liegt die Stelle in einem Gen, verschiebt sich meist das Leseraster – ab dort werden die Basentripletts falsch abgelesen, und häufig entsteht ein vorzeitiges Stoppcodon. Das Gen ist dann ausgeschaltet. Diesen gezielten Ausfall nennt man Knock-out.
HDR (homology-directed repair, homologiegesteuerte Reparatur) nutzt eine passende DNA-Vorlage. Liefern Forschende eine Vorlage mit, deren Enden zur Schnittstelle passen, kann die Zelle eine veränderte Sequenz einbauen, etwa eine korrigierte Mutation. So lassen sich Gene reparieren oder gezielt ergänzen.
Merke
Die Guide-RNA bestimmt, wo geschnitten wird, die PAM muss direkt daneben liegen, und Cas9 schneidet. Was aus dem Schnitt wird, entscheidet die Reparatur der Zelle: NHEJ schaltet Gene meist aus (Knock-out), HDR kann mit Vorlage gezielt korrigieren.
Wofür CRISPR heute genutzt wird
Forschung: Schaltet man ein Gen gezielt aus und beobachtet, was dann fehlt, erfährt man, wofür es zuständig ist. Auf diese Weise werden in Laboren weltweit täglich Zellen, Mäuse oder Pflanzen untersucht. Auch Krankheitsmodelle, etwa Zellen mit einer bestimmten Krebsmutation, lassen sich so viel schneller herstellen als früher.
Medizin: Die erste zugelassene CRISPR-Therapie heißt Casgevy. Sie hilft gegen Sichelzellkrankheit und β-Thalassämie, zwei Erbkrankheiten des roten Blutfarbstoffs. Ärztinnen und Ärzte entnehmen dabei Blutstammzellen, verändern sie außerhalb des Körpers mit CRISPR und geben sie zurück. Der Schnitt schaltet einen Schalter aus, der normalerweise nach der Geburt das fetale Hämoglobin abstellt. Die Zellen bilden dann wieder diesen funktionierenden Blutfarbstoff. Zugelassen wurde Casgevy zuerst in Großbritannien (16. November 2023), dann in den USA (Dezember 2023) und in der EU (Februar 2024, bedingte Zulassung). Mehr zu solchen Verfahren findest du unter Gentherapie.
Landwirtschaft: Mit CRISPR lassen sich Pflanzen verändern, ohne fremde Gene einzubauen – etwa durch das Ausschalten eines einzelnen Gens. Die EU hat dafür 2026 die Verordnung über neue genomische Techniken (NGT) beschlossen. Sie ist seit 16. Juli 2026 in Kraft, wird aber erst ab Juli 2028 angewendet. Bis dahin gelten solche Pflanzen in der EU rechtlich als gentechnisch veränderte Organismen. Details stehen auf der Seite Gentechnik bei Pflanzen.
Wusstest du?
Der Chemie-Nobelpreis 2020 ging an Emmanuelle Charpentier und Jennifer Doudna „für die Entwicklung einer Methode zur Genom-Editierung“. Es war der erste Chemie-Nobelpreis, der nur an Frauen vergeben wurde.
Risiken und Grenzen
- Off-Target-Effekte: Ähnelt eine andere Stelle im Erbgut der Zielsequenz, schneidet Cas9 dort womöglich auch. Solche Schnitte an falscher Stelle können Gene stören. Gegenmittel sind sorgfältig ausgewählte Guide-RNAs, verbesserte Cas9-Varianten und gründliche Kontrollen durch Sequenzierung.
- Unerwünschte Folgen am Ziel: Auch an der richtigen Stelle können neben kleinen Veränderungen manchmal größere Stücke verloren gehen oder umgebaut werden.
- Mosaik: Wird ein Embryo mit mehreren Zellen bearbeitet, wirkt CRISPR nicht in allen Zellen gleich. Das Lebewesen besteht dann aus Zellen mit unterschiedlichen Veränderungen.
- Transport: Die Genschere muss in die richtigen Zellen gelangen. Das ist bei Blutstammzellen außerhalb des Körpers vergleichsweise einfach, bei Organen wie Gehirn oder Muskeln deutlich schwieriger.
Typische Fehler
- „Cas9 baut neue Gene ein.“ Falsch – Cas9 schneidet nur. Eingebaut wird nur etwas, wenn die Zelle per HDR eine mitgelieferte Vorlage nutzt.
- „Die Guide-RNA schneidet.“ Nein – die RNA findet die Stelle, das Protein Cas9 schneidet.
- „Mit CRISPR veränderte Pflanzen enthalten immer artfremde Gene.“ Nicht unbedingt: Oft wird nur ein Gen ausgeschaltet oder eine einzelne Base verändert.
- „Casgevy wird vererbt.“ Nein – verändert werden Blutstammzellen, keine Keimzellen. Es ist eine somatische Therapie.
Ethik: Darf man Embryonen verändern?
Im November 2018 gab der chinesische Forscher He Jiankui bekannt, dass Zwillingsmädchen geboren worden seien, deren Erbgut er als Embryonen mit CRISPR verändert hatte. Er wollte das Gen CCR5 ausschalten, damit die Kinder vor HIV geschützt sind. Ein drittes Kind folgte 2019. Weltweit verurteilten Forschende den Versuch: Es gab keine medizinische Notwendigkeit, die Risiken waren unbekannt, und die Veränderungen werden an alle Nachkommen weitergegeben. Ein Gericht in Shenzhen verurteilte ihn am 30. Dezember 2019 zu drei Jahren Haft. Den gesamten Ablauf und die wissenschaftliche Kritik findest du im Kapitel über die CRISPR-Babys.
Hier liegt die wichtigste ethische Grenze: Eingriffe in Körperzellen (somatisch) betreffen nur die behandelte Person. Eingriffe in die Keimbahn – also in Ei- oder Samenzellen oder frühe Embryonen – werden vererbt. In Deutschland verbietet das Embryonenschutzgesetz (§ 5) solche Keimbahneingriffe. Mehr Argumente findest du auf der Seite Ethik und Gentechnik.
Argumente für Keimbahn-Editierung (in Zukunft)
- Schwere Erbkrankheiten könnten in einer Familie für immer verschwinden.
- Für manche Paare gäbe es sonst keinen Weg zu einem gesunden leiblichen Kind.
Argumente dagegen
- Fehler und Nebenwirkungen würden an alle Nachkommen vererbt.
- Die Betroffenen können nicht zustimmen.
- Gefahr, dass nach Krankheiten bald auch Wunschmerkmale „verbessert“ werden.
Vertiefung: Base Editing und Prime Editing – Gene ändern ohne Doppelstrangbruch
Weil Doppelstrangbrüche riskant sind und die Reparatur per NHEJ unvorhersehbar ist, hat die Gruppe um David Liu (Broad Institute) zwei Weiterentwicklungen geschaffen. Beide nutzen eine „entschärfte“ Cas9-Variante, die nur noch einen der beiden Stränge anritzt (Nickase, nCas9) oder gar nicht schneidet. Die Guide-RNA steuert weiterhin den Ort.
Base Editing (ab 2016): An nCas9 ist ein Enzym gekoppelt, das eine Base chemisch umbaut (eine Desaminase). Cytosin-Base-Editoren wandeln innerhalb eines kleinen Fensters der Zielsequenz ein C in ein U um. Bei der Replikation und Reparatur wird daraus ein T, aus dem Basenpaar C-G wird also T-A. Adenin-Base-Editoren machen aus A-T ein G-C. So lassen sich viele Punktmutationen gezielt korrigieren, ohne die DNA ganz durchzuschneiden.
Prime Editing (ab 2019): Hier ist nCas9 mit einer Reversen Transkriptase verbunden. Dieses Enzym schreibt RNA in DNA um. Die verlängerte Guide-RNA (pegRNA) bringt gleich die Vorlage für die neue Sequenz mit. Nach dem Anritzen eines Strangs schreibt die Reverse Transkriptase die gewünschte Änderung direkt in die DNA. Damit sind alle Arten von Basenaustauschen sowie kleine Einfügungen und Verluste möglich.
Ein Beispiel aus der Medizin: 2025 behandelte ein Team in Philadelphia einen Säugling mit einem schweren angeborenen Stoffwechseldefekt (CPS1-Mangel) mit einem eigens für seine Mutation entworfenen Base Editor. Er wurde in Lipid-Nanopartikeln zur Leber gebracht. Die Arbeit erschien im Mai 2025 im New England Journal of Medicine und gilt als erste personalisierte Gen-Editing-Therapie. Wie gut sie langfristig wirkt, muss sich noch zeigen.
| Werkzeug | Was passiert an der DNA? | Typische Verwendung |
|---|---|---|
| Cas9 (klassisch) | Doppelstrangbruch, Reparatur durch die Zelle | Gene ausschalten; mit Vorlage auch einbauen |
| Base Editor | Eine Base wird chemisch umgebaut, nur ein Strang wird angeritzt | Bestimmte Punktmutationen korrigieren |
| Prime Editor | Neue Sequenz wird von einer RNA-Vorlage direkt in die DNA geschrieben | Alle Basenaustausche, kleine Einfügungen und Verluste |
Klassisches CRISPR/Cas9 eignet sich also besonders zum Ausschalten von Genen, Base und Prime Editing eher zum präzisen Korrigieren einzelner „Buchstaben“. Dafür sind die neueren Werkzeuge größer und schwieriger in Zellen zu bringen.
Vertiefung: Molekulare Details – sgRNA, PAM und die zwei Schneidedomänen
Im Bakterium besteht die Führungs-RNA aus zwei Molekülen: der crRNA (enthält den Spacer) und der tracrRNA (bildet mit der crRNA ein Gerüst und bindet Cas9). Jinek, Charpentier, Doudna und Kollegen verbanden 2012 beide zu einer einzigen sgRNA (single guide RNA). Diese Vereinfachung machte das Werkzeug so leicht nutzbar.
Warum die PAM? Im CRISPR-Abschnitt des Bakteriums stehen die Spacer ebenfalls – aber ohne PAM daneben. Weil Cas9 nur dort schneidet, wo eine PAM liegt, greift das Bakterium sein eigenes Erbgut nicht an. Für die Gentechnik bedeutet das: Nur Stellen mit einer passenden PAM in der Nähe können direkt geschnitten werden. Andere Cas-Proteine erkennen andere PAMs; Cas12a etwa braucht eine T-reiche PAM und erzeugt versetzte Schnittenden.
Zwei Schneidedomänen: Cas9 besitzt zwei aktive Bereiche. Die HNH-Domäne schneidet den Zielstrang, der mit der Guide-RNA gepaart ist. Die RuvC-Domäne schneidet den verdrängten Strang. Beide schneiden an derselben Position, drei Basenpaare vor der PAM. Es entstehen glatte Enden („blunt ends“). Schaltet man eine Domäne durch eine Mutation aus, entsteht die Nickase für Base und Prime Editing. Sind beide ausgeschaltet („dead Cas9“, dCas9), bindet das Protein nur noch, ohne zu schneiden. Mit angehängten Proteinen kann es dann Gene an- oder abschalten.
Wie kommt die Genschere in die Zelle? Außerhalb des Körpers (ex vivo) werden fertige Komplexe aus Cas9 und Guide-RNA meist durch kurze Stromstöße in die Zellen gebracht (Elektroporation) – so auch bei Casgevy. Im Körper (in vivo) nutzt man Lipid-Nanopartikel, die vor allem in der Leber ankommen, oder harmlose Viren als Vektoren. Viren wie AAV können allerdings nur wenig DNA transportieren; das Gen für Cas9 passt nur knapp hinein.
Die Seed-Region: Die etwa 10–12 Basen der Erkennungssequenz direkt neben der PAM müssen besonders genau passen. Fehlpaarungen weiter weg werden eher toleriert – ein Grund für Off-Target-Schnitte.
Vertiefen: zwei Kapitel zu CRISPR/Cas9
Fachbegriffe
- CRISPR
- Abschnitt im Bakterienerbgut aus Wiederholungen und Virus-Schnipseln (Spacern); Gedächtnis des bakteriellen Immunsystems.
- Cas9
- Protein, das DNA an der von der Guide-RNA vorgegebenen Stelle in beiden Strängen schneidet.
- Guide-RNA
- RNA mit einer 20 Basen langen Erkennungssequenz und einem Gerüst; führt Cas9 zur Zielstelle.
- PAM
- Kurze Sequenz direkt neben der Zielstelle (bei Cas9: NGG), ohne die Cas9 nicht schneidet.
- Doppelstrangbruch
- Beide DNA-Stränge sind an derselben Stelle durchtrennt.
- NHEJ
- Schnelle, fehleranfällige Reparatur: Bruchenden werden direkt verbunden; führt oft zum Knock-out.
- HDR
- Reparatur nach einer Vorlage; ermöglicht gezielte Korrekturen.
- Off-Target-Effekt
- Unerwünschter Schnitt an einer Stelle, die der Zielsequenz ähnelt.
Aufgaben
- AFB IBeschreibe, wie Bakterien mithilfe von CRISPR einen Phagen erkennen, der sie schon einmal angegriffen hat.
Lösung anzeigen
Nach einem überstandenen Angriff baut das Bakterium ein Stück Phagen-DNA als Spacer in seinen CRISPR-Abschnitt ein. Dieser wird in RNA umgeschrieben. Greift derselbe Phage erneut an, paart die RNA mit seiner DNA, und ein Cas-Protein zerschneidet sie. - AFB INenne die Aufgaben von Guide-RNA, PAM und Cas9 beim Schneiden.
Lösung anzeigen
Guide-RNA: erkennt per Basenpaarung die 20 Basen lange Zielsequenz und bindet Cas9. PAM: kurze Sequenz (NGG) direkt neben der Zielsequenz, ohne die Cas9 nicht bindet und schneidet. Cas9: öffnet die DNA und schneidet beide Stränge drei Basenpaare vor der PAM. - AFB IIGegeben ist dieser DNA-Strang:
5′-TACGATCATCGATCTACTAGTCAAGGTACT-3′
Ermittle die PAM auf diesem Strang, gib die 20 Basen der Erkennungssequenz der passenden Guide-RNA an (5’→3′) und markiere die Schnittstelle.Lösung anzeigen
Die einzige NGG-Folge ist AGG (…TCAAGGTACT). Die 20 Basen davor bilden die Zielsequenz: GATCATCGATCTACTAGTCA. Erkennungssequenz der Guide-RNA (T wird zu U): 5′-GAUCAUCGAUCUACUAGUCA-3′. Cas9 schneidet drei Basenpaare vor der PAM: 5′-…CTACTAG | TCA AGG…-3′. - AFB IIErkläre, warum die Reparatur per NHEJ ein Gen meist ausschaltet, wenn dabei zwei Basen verloren gehen, aber oft nicht, wenn drei Basen verloren gehen.
Lösung anzeigen
Der genetische Code wird in Tripletts gelesen. Fehlen zwei Basen, verschiebt sich das Leseraster: Alle folgenden Codons ändern sich, meist entsteht bald ein Stoppcodon, das Protein ist funktionslos (Knock-out). Fehlen drei Basen, fehlt nur eine Aminosäure, der Rest bleibt richtig – das Protein kann noch (teilweise) funktionieren. - AFB IIVergleiche die Behandlung mit Casgevy mit dem Eingriff von He Jiankui hinsichtlich Zielzellen, Vererbbarkeit und Einwilligung.
Lösung anzeigen
Casgevy: Blutstammzellen (Körperzellen) einer erkrankten Person, nicht vererbbar, Behandlung mit Einwilligung der Betroffenen nach Zulassungsstudien. He Jiankui: Embryonen (Keimbahn), Veränderung in allen Körper- und Keimzellen und damit vererbbar, die Kinder konnten nicht einwilligen, keine medizinische Notwendigkeit, unbekannte Risiken. - AFB IIIEin Paar, bei dem beide Partner an derselben schweren Erbkrankheit leiden, wünscht sich ein gesundes leibliches Kind. Nimm Stellung zu der Frage, ob Keimbahn-Editierung in solchen Fällen in Zukunft erlaubt werden sollte.
Lösung anzeigen
Pro: Für dieses Paar gibt es kaum Alternativen, die Krankheit würde dauerhaft aus der Familie verschwinden, das Leid ist groß. Contra: Off-Target-Effekte und Mosaike sind nicht sicher ausschließbar, Fehler würden vererbt, das Kind kann nicht zustimmen, Gefahr eines „Dammbruchs“ zu Wunschmerkmalen; Alternativen wie Samen- oder Eizellspende oder Adoption existieren. Eine begründete eigene Position mit Abwägung und Bedingungen (z. B. erst bei nachgewiesener Sicherheit, strenge Kontrolle) wird erwartet. Hinweis: In Deutschland ist das nach § 5 ESchG derzeit verboten.
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Quellen & Stand
- Jinek, M. u. a.: A Programmable Dual-RNA–Guided DNA Endonuclease in Adaptive Bacterial Immunity. Science 337 (2012): doi:10.1126/science.1225829.
- Nobelpreis Chemie 2020: nobelprize.org; Broad Institute: CRISPR Timeline.
- Vertex/CRISPR Therapeutics: Erste Zulassung von Casgevy (MHRA); vfa: In der EU zugelassene ATMP.
- MIT Technology Review: He Jiankui sentenced to three years in prison (2019).
- NHGRI: What is genome editing?; Penn Gazette: CRISPR’s First Custom Cure (2025).
Stand: Oktober 2026.