Genzukunft

Genetik verstehen · Zukunft mitdenken

Mitoseindex berechnen: Anleitung und Aufgaben

Vertiefung zum ThemaMitose im Mikroskop

Wie teilungsfreudig ist ein Gewebe? Zuschauen kannst du einer Zelle unter dem Schulmikroskop dabei nicht, aber du kannst zählen. Wer den Mitoseindex berechnen kann, holt aus einer simplen Strichliste erstaunlich viel heraus: die Teilungsaktivität, die Dauer einzelner Phasen und sogar Hinweise darauf, ob ein Stoff die Zellteilung stört.

Einfach erklärt

Diese Seite vertieft das Thema Mitose im Mikroskop. Du kannst einer Zelle beim Teilen nicht zusehen. Du kannst aber zählen. Der Mitoseindex sagt dir: Wie viele Zellen sind gerade in Mitose? So geht es:

  • Lege vorher den Zählbereich fest.
  • Mache eine Strichliste – das ist eine Zähltabelle mit fünf Spalten. Jede Zelle bekommt genau einen Strich.
  • Zähle alle Zellen. Zähle dann die Zellen in Mitose.
  • Teile die Zellen in Mitose durch alle Zellen. Nimm das Ergebnis mal 100 Prozent.

Ein Beispiel: 96 von 800 Zellen sind in Mitose. Der Mitoseindex beträgt also 12 Prozent. Teile immer durch alle Zellen. Auch die Zellen ohne Teilung zählen mit. Lange Phasen siehst du oft. Kurze Phasen siehst du selten.

Achtung beim Vergleichen: Ein Index fällt von 12 auf 6 Prozent. Das sind 6 Prozentpunkte weniger. Der Wert hat sich aber halbiert.

Merke: Mitoseindex = Zellen in Mitose geteilt durch alle Zellen mal 100 Prozent.

Kurz gesagt

Um den Mitoseindex zu berechnen, teilst du die Zahl der Zellen in Mitose (Pro-, Meta-, Ana- und Telophase) durch die Zahl aller gezählten Zellen und multiplizierst mit 100 %. Beispiel: 96 von 800 Zellen sind in Mitose, der Mitoseindex beträgt 12 %. Kennst du die Dauer des Zellzyklus, kannst du aus dem Anteil einer Phase auch ihre Dauer abschätzen.

Das lernst du hier

  • den Mitoseindex und Phasenindizes aus Zähldaten berechnen,
  • aus Anteilen die Dauer von Phasen und Zellzyklus ableiten,
  • Mitoseindizes verschiedener Gewebe und Behandlungen vergleichen und richtig in Prozentpunkten und Prozent angeben,
  • Messergebnisse und ihre Aussagekraft beurteilen.

Mitoseindex berechnen in fünf Schritten

Grundlage ist ein gut gefärbtes Präparat aus einem teilungsaktiven Gewebe, meist ein Quetschpräparat einer Zwiebelwurzelspitze. Wie du es herstellst, steht auf der Hauptseite Ablauf der Mitose im Mikroskop, welcher Farbstoff sich am besten eignet, auf der Seite Chromosomen anfärben. Dann gehst du so vor:

  1. Zählbereich festlegenBestimme vorher, wo du zählst, zum Beispiel nur im Teilungsgewebe direkt hinter der Wurzelspitze. Schreib die Entscheidung auf, damit andere sie nachvollziehen können.
  2. Strichliste anlegenFünf Spalten: Interphase, Prophase, Metaphase, Anaphase, Telophase. Jede vollständig sichtbare Zelle bekommt genau einen Strich. Fahre die Sehfelder in Schlangenlinien ab, damit du keine Zelle doppelt zählst.
  3. Summen bildenZähle die Striche pro Spalte. Die Gesamtzahl aller Zellen ist die Summe aller fünf Spalten, die Zahl der Zellen in Mitose die Summe der vier Mitosespalten.
  4. In die Formel einsetzenMitoseindex = Zellen in Mitose : alle gezählten Zellen · 100 %.
  5. Runden und deutenGib das Ergebnis mit sinnvoller Genauigkeit an, meist mit einer Nachkommastelle, und nenne immer, wie viele Zellen du gezählt hast.

Merke

Mitoseindex = (Pro + Meta + Ana + Telo) : alle Zellen · 100 %. Die Interphase gehört in den Nenner, nicht in den Zähler. Der Phasenindex einer einzelnen Phase wird genauso berechnet, nur mit den Zellen dieser einen Phase im Zähler.

Rechenbeispiel: 800 Zellen einer Wurzelspitze

Eine Gruppe hat im Teilungsgewebe einer Zwiebelwurzel 800 Zellen ausgezählt (Beispieldaten). Die Tabelle zeigt das Ergebnis mit den berechneten Anteilen:

PhaseAnzahlAnteil an allen ZellenAnteil an den Mitosezellen
Interphase70488 %–
Prophase486 %50 %
Metaphase202,5 %20,8 %
Anaphase81 %8,3 %
Telophase202,5 %20,8 %
Summe800100 %100 %

Zellen in Mitose: 48 + 20 + 8 + 20 = 96. Der Mitoseindex beträgt 96 : 800 · 100 % = 12 %. Der Prophase-Index ist 48 : 800 · 100 % = 6 %. Achte auf die beiden Spalten: Die dritte Spalte bezieht sich auf alle 800 Zellen, die vierte nur auf die 96 Zellen in Mitose. Für den Mitoseindex und für Zeitberechnungen brauchst du immer die dritte.

Vom Auszählen zum Mitoseindex: 800 Zellen einer Wurzelspitze Oben ein Balken für alle 800 gezählten Zellen: 704 Zellen oder 88 Prozent sind in der Interphase, 96 Zellen oder 12 Prozent in Mitose. Eine Lupe vergrößert den Mitoseanteil in einen zweiten Balken: Von den 96 Mitosezellen sind 48 in der Prophase, 20 in der Metaphase, 8 in der Anaphase und 20 in der Telophase. Darunter stehen die Rechnungen: Mitoseindex gleich 96 durch 800 mal 100 Prozent gleich 12 Prozent, Prophase-Index 6 Prozent, bei 20 Stunden Zellzyklus entspricht das etwa 1,2 Stunden Prophase. Alle gezählten Zellen (n = 800) Interphase: 704 Zellen (88 %) Mitose 96 nur die 96 Zellen in Mitose (12 %) Prophase 48Metaphase 20Ana 8Telophase 20 Mitoseindex = 96 : 800 · 100 % = 12 %Prophase-Index = 48 : 800 · 100 % = 6 % → bei 20 h Zellzyklus ≈ 1,2 h
Abb. 1: Vom Auszählen zum Mitoseindex (Beispieldaten). Der obere Balken zeigt alle gezählten Zellen, der untere vergrößert nur die Zellen in Mitose. Für den Mitoseindex und für die Dauer einer Phase wird immer durch alle gezählten Zellen geteilt, nicht nur durch die Mitosezellen.

Vom Anteil zur Dauer: Phasen zeitlich abschätzen

Ein Präparat ist eine Momentaufnahme. Wenn sich die Zellen unabhängig voneinander teilen, gilt eine einfache Faustregel: Je länger eine Phase dauert, desto mehr Zellen erwischt man gerade in ihr. Der Anteil der Zellen in einer Phase entspricht dann ungefähr dem Anteil dieser Phase an der Dauer des Zellzyklus:

Dauer einer Phase ≈ Phasenindex · Dauer des Zellzyklus

Angenommen, ein Zellzyklus dauert in diesem Gewebe 20 Stunden, also 1200 Minuten. Dann ergibt sich für das Rechenbeispiel: Interphase 0,88 · 1200 min ≈ 1056 min (17,6 h), Prophase 0,06 · 1200 min = 72 min, Metaphase 0,025 · 1200 min = 30 min, Anaphase 0,01 · 1200 min = 12 min und Telophase ebenfalls 30 min. Die gesamte Mitose dauert damit etwa 144 Minuten, also 2,4 Stunden, genau 12 % von 20 Stunden.

Die Formel funktioniert auch rückwärts. Ist bekannt, wie lange die Mitose dauert, schätzt du die Dauer des ganzen Zyklus: Zellzyklus ≈ Dauer der Mitose : Mitoseindex. Dauert die Mitose 1,5 Stunden und beträgt der Mitoseindex 7,5 %, ergibt sich 1,5 h : 0,075 = 20 h.

Wichtig sind die Voraussetzungen. Die Zellen dürfen sich nicht im Gleichtakt teilen, und das Gewebe muss sich in einem gleichbleibenden Zustand befinden. In einem wachsenden Gewebe gibt es etwas mehr junge als alte Zellen, deshalb ist die Rechnung immer eine Näherung.

Gewebe und Behandlungen vergleichen

Richtig spannend wird der Mitoseindex, wenn du vergleichst: verschiedene Abschnitte einer Wurzel, verschiedene Temperaturen oder Wurzeln, die in unterschiedlichen Lösungen gewachsen sind. Die schwedische Forscherin G. Fiskesjö schlug 1985 den sogenannten Allium-Test als Standardverfahren für die Umweltüberwachung vor. Dabei lässt man Küchenzwiebeln in einer Wasserprobe wurzeln und vergleicht die Wurzeln mit einer Kontrolle in sauberem Wasser. Ein deutlich veränderter Mitoseindex ist ein Hinweis darauf, dass die Probe die Zellteilung beeinflusst.

Beim Vergleichen passiert ein typischer Rechenfehler. Sinkt der Mitoseindex von 12 % auf 6 %, ist er um 6 Prozentpunkte gesunken. Bezogen auf den Ausgangswert ist das aber eine Abnahme um 50 Prozent, denn er hat sich halbiert. Die relative Änderung berechnest du so: (neuer Wert − alter Wert) : alter Wert · 100 %. Schreib in Protokollen immer dazu, welche der beiden Angaben du meinst.

Und noch eine Falle: Ein höherer Mitoseindex bedeutet nicht automatisch, dass sich die Zellen schneller teilen. Spindelgifte wie Colchicin halten Zellen in der Metaphase fest. Dann sammeln sich Zellen in Mitose an, der Index steigt, obwohl gar keine Teilung mehr abgeschlossen wird. Ein Blick auf die Phasenindizes verrät das: Ungewöhnlich viele Metaphasen und fast keine Anaphasen sind ein Warnsignal.

Typische Fehler

  • Interphase vergessen: Wer nur durch die Zellen in Mitose teilt, erhält immer 100 %. Der Nenner sind alle gezählten Zellen.
  • Prozent und Prozentpunkte verwechseln: Von 12 % auf 6 % sind es 6 Prozentpunkte weniger, aber 50 % weniger.
  • Telophase doppelt zählen: Eine Zelle in der Telophase hat zwei Chromosomengruppen, ist aber noch eine Zelle. Sie bekommt einen Strich.
  • Aus zu wenigen Zellen schließen: Ein Sehfeld mit 30 Zellen sagt wenig. Erst mehrere Hundert Zellen ergeben einen belastbaren Wert.
  • Index mit Teilungsgeschwindigkeit gleichsetzen: Zellen, die in einer Phase stecken bleiben, erhöhen den Index ebenfalls.
Vertiefung Oberstufe: Ist der Unterschied echt? Der Vierfelder-Test

Zwei Gruppen haben je 600 Zellen gezählt. In der Kontrolle waren 60 Zellen in Mitose (10 %), in der behandelten Gruppe 30 (5 %). Ist das ein echter Effekt oder Zufall? Das prüft ein Chi-Quadrat-Test für eine Vierfeldertafel. Du trägst die beobachteten Anzahlen ein: Kontrolle 60 in Mitose und 540 nicht in Mitose, Behandlung 30 und 570.

Wäre die Behandlung wirkungslos, müssten beide Gruppen denselben Anteil haben. Insgesamt sind 90 von 1200 Zellen in Mitose, also 7,5 %. Erwartet werden daher in jeder Gruppe 0,075 · 600 = 45 Zellen in Mitose und 555 ohne. Nun rechnest du für jedes der vier Felder (beobachtet − erwartet)² : erwartet und addierst: 15² : 45 + 15² : 45 + 15² : 555 + 15² : 555 = 5 + 5 + 0,41 + 0,41 ≈ 10,8.

Eine Vierfeldertafel hat einen Freiheitsgrad. Der kritische Wert für eine Irrtumswahrscheinlichkeit von 5 % liegt bei 3,84. Da 10,8 deutlich darüber liegt, ist der Unterschied signifikant: Mit Zufall allein lässt er sich kaum erklären. Wie der Chi-Quadrat-Test grundsätzlich funktioniert, erklärt die Seite Chi-Quadrat-Test in der Genetik. Beachte: Der Test sagt nichts über systematische Fehler. Haben beide Gruppen an unterschiedlichen Stellen der Wurzel gezählt, kann auch ein signifikantes Ergebnis falsch sein.

Fachbegriffe

Mitoseindex
Anteil der Zellen in Mitose an allen gezählten Zellen eines Präparats, in Prozent.
Phasenindex
Anteil der Zellen in einer bestimmten Mitosephase an allen gezählten Zellen.
Strichliste
Zähltabelle, in der jede Zelle genau einer Phase zugeordnet wird.
Prozentpunkt
Absolute Differenz zweier Prozentwerte, z. B. von 12 % auf 6 % = 6 Prozentpunkte.
Allium-Test
Standardverfahren, bei dem Wurzeln der Küchenzwiebel genutzt werden, um Wirkungen von Stoffen auf Wachstum und Zellteilung zu prüfen.

Aufgaben

AFB I Wissen wiedergeben AFB II Anwenden AFB III Beurteilen

  1. AFB INenne die Formel für den Mitoseindex und berechne ihn für ein Präparat, in dem 30 von 250 Zellen in Mitose sind.
    Lösung anzeigen

    Mitoseindex = Zellen in Mitose : alle gezählten Zellen · 100 %. Hier: 30 : 250 · 100 % = 12 %.

  2. AFB IIBerechne den Mitoseindex und die vier Phasenindizes: Interphase 455, Prophase 25, Metaphase 9, Anaphase 4, Telophase 7.
    Lösung anzeigen

    Gesamtzahl: 455 + 25 + 9 + 4 + 7 = 500 Zellen. In Mitose: 25 + 9 + 4 + 7 = 45. Mitoseindex: 45 : 500 · 100 % = 9 %. Phasenindizes: Prophase 25 : 500 = 5 %, Metaphase 9 : 500 = 1,8 %, Anaphase 4 : 500 = 0,8 %, Telophase 7 : 500 = 1,4 %. Kontrolle: 5 + 1,8 + 0,8 + 1,4 = 9 %.

  3. AFB IIBerechne mit den Daten aus Aufgabe 2 die ungefähre Dauer der Interphase und jeder Mitosephase, wenn der Zellzyklus 16 Stunden dauert.
    Lösung anzeigen

    16 h = 960 min. Interphase: 0,91 · 16 h ≈ 14,6 h. Prophase: 0,05 · 960 min = 48 min. Metaphase: 0,018 · 960 min ≈ 17 min. Anaphase: 0,008 · 960 min ≈ 8 min. Telophase: 0,014 · 960 min ≈ 13 min. Die Mitose dauert insgesamt 0,09 · 960 min ≈ 86 min, also knapp 1,5 Stunden.

  4. AFB IIBerechne die Dauer des Zellzyklus: In einem Gewebe dauert die Mitose etwa 2 Stunden, der Mitoseindex beträgt 8 %. Nenne die Annahme, die du dabei triffst.
    Lösung anzeigen

    Zellzyklus ≈ Dauer der Mitose : Mitoseindex = 2 h : 0,08 = 25 h. Annahme: Die Zellen teilen sich unabhängig voneinander, nicht synchron, und das Gewebe befindet sich in einem gleichbleibenden Zustand. Dann entspricht der Anteil der Zellen in Mitose dem Zeitanteil der Mitose am Zyklus.

  5. AFB IIVergleiche: In Zone A (0 bis 2 mm hinter der Wurzelspitze) sind 64 von 400 Zellen in Mitose, in Zone B (5 bis 7 mm) 6 von 400. Berechne beide Mitoseindizes, gib den Unterschied in Prozentpunkten an und erkläre ihn.
    Lösung anzeigen

    Zone A: 64 : 400 = 16 %. Zone B: 6 : 400 = 1,5 %. Unterschied: 14,5 Prozentpunkte; der Index in Zone A ist etwa zehnmal so hoch. Erklärung: Direkt hinter der Wurzelspitze liegt das Teilungsgewebe (Meristem), dort teilen sich die Zellen laufend. Weiter oben liegt die Streckungszone, in der sich die Zellen kaum noch teilen, sondern in die Länge wachsen.

  6. AFB IIIBeurteile die Schlussfolgerung: „In der Kontrolle waren 60 von 600 Zellen in Mitose, nach Behandlung mit Stoff X nur 33 von 600. Stoff X senkt die Zellteilung um 4,5 Prozent.“
    Lösung anzeigen

    Rechnung: Kontrolle 10 %, Behandlung 5,5 %. Der Unterschied beträgt 4,5 Prozentpunkte, relativ aber (5,5 − 10) : 10 · 100 % = −45 %. Die Angabe „um 4,5 Prozent“ ist also falsch formuliert. Ein Vierfelder-Test ergibt χ² ≈ 8,5, das liegt über 3,84: Der Unterschied ist bei 5 % Irrtumswahrscheinlichkeit signifikant. Trotzdem ist Vorsicht geboten: Es fehlen Angaben zu Wiederholungen (mehrere Wurzeln und Zwiebeln), zum Zählbereich und dazu, ob blind gezählt wurde. Außerdem misst der Mitoseindex nur den Anteil der Zellen in Mitose; ob Stoff X die Teilung verlangsamt, die Zellen schädigt oder in einer anderen Phase festhält, lässt sich erst mit den Phasenindizes und weiteren Versuchen klären. Besser: „Nach Behandlung mit Stoff X war der Mitoseindex um 4,5 Prozentpunkte niedriger; das deutet auf eine Hemmung der Zellteilung hin.“

Weiterlernen

Quellen & Stand

Stand: Oktober 2026.

Diese Website setzt nur technisch notwendige Cookies. Die Reichweitenmessung mit Matomo läuft ohne Cookies auf unserem eigenen Server.