Chromosomen anfärben: Farbstoffe fürs Mikroskop
Vertiefung zum ThemaMitose im Mikroskop
Ungefärbt sind Chromosomen unter dem Lichtmikroskop fast unsichtbar: durchsichtige Fäden in einer durchsichtigen Zelle. Erst ein Farbstoff macht aus dem blassen Bild ein Präparat, in dem du Prophase, Metaphase und Anaphase sicher erkennst. Welcher Farbstoff dafür taugt und warum Chromosomen ihre Farbe so bereitwillig annehmen, erfährst du hier.
Einfach erklärt
Diese Seite vertieft das Thema Mitose im Mikroskop. Ohne Farbe sind Chromosomen fast unsichtbar. Ein Farbstoff schafft den nötigen Kontrast. Chromosomen nehmen Farbe besonders gut an. Ihr Name bedeutet sogar „Farbkörper“.
Der Grund liegt in der DNA, also im Erbgut. Sie ist negativ geladen. Viele Farbstoffe sind positiv geladen. Deshalb hält die DNA sie fest. Solche Farbstoffe heißen basische Farbstoffe. Dicht gepackte Chromosomen erscheinen besonders kräftig.
In der Schule legst du die Wurzelspitzen zuerst in warme Salzsäure. Dann färbst du sie, zum Beispiel mit Karmin, Orcein oder Toluidinblau. Arbeite nur mit Schutzbrille und mit deiner Lehrkraft. Die Feulgen-Färbung färbt nur die DNA. Damit kann man sogar die DNA-Menge messen. Ein Karyogramm ist ein geordnetes Bild von allen Chromosomen. Dafür nutzt man die Giemsa-Färbung. Sie gibt jedem Chromosom ein typisches Streifenmuster.
Merke: Basische Farbstoffe binden an die negativ geladene DNA und machen Chromosomen sichtbar.
Kurz gesagt
Um Chromosomen zu färben, nutzt man Farbstoffe, die sich an die DNA oder das Chromatin anlagern. In der Schule werden Wurzelspitzen meist kurz in warmer Salzsäure behandelt und dann mit Karmin- oder Orcein-Essigsäure oder mit Toluidinblau gefärbt. Die Feulgen-Färbung färbt ausschließlich DNA und eignet sich sogar zum Messen der DNA-Menge. Für Karyogramme färbt man Chromosomen nach einer Trypsin-Behandlung mit Giemsa: Es entsteht ein Bandenmuster, an dem sich jedes Chromosom erkennen lässt.
Das lernst du hier
- erklären, warum sich Chromosomen mit basischen Farbstoffen gut anfärben lassen,
- die Färbungen mit Karmin, Orcein, Toluidinblau, Feulgen und Giemsa vergleichen,
- die Arbeitsschritte und Sicherheitsregeln einer Schulfärbung beschreiben,
- für eine Fragestellung die passende Färbemethode auswählen und begründen.
Warum muss man Chromosomen färben?
Zellen bestehen größtenteils aus Wasser, Proteinen und Lipiden. Im Hellfeld des Lichtmikroskops lassen sie das Licht fast ungehindert durch. Ein Zellkern ist ohne Färbung allenfalls als blasser Fleck zu ahnen, einzelne Chromosomen gehen völlig unter. Ein Farbstoff erzeugt den nötigen Kontrast.
Dass gerade Chromosomen so gut Farbe annehmen, verrät schon ihr Name: Chromosom bedeutet „Farbkörper“, von griechisch chroma (Farbe) und soma (Körper). Den Grund kennt man heute genau. Das Rückgrat der DNA enthält Phosphatgruppen, die negativ geladen sind. Basische Farbstoffe tragen eine positive Ladung und werden von der DNA angezogen. Je dichter die DNA gepackt ist, desto kräftiger erscheint die Farbe. Deshalb leuchten die stark verdichteten Chromosomen in der Metaphase besonders deutlich, während der Kern in der Interphase gleichmäßig und heller gefärbt ist.
Chromosomen färben in der Schule: Karmin, Orcein und Toluidinblau
Im Schulpraktikum werden Chromosomen meist in einem Quetschpräparat einer Zwiebelwurzelspitze gefärbt. Wie das Präparat entsteht, beschreibt die Hauptseite Ablauf der Mitose im Mikroskop Schritt für Schritt. Vor dem Färben kommen die Wurzelspitzen für einige Minuten in warme Salzsäure, häufig 1 mol/l bei etwa 60 °C. Die Säure löst die Verbindungen zwischen den Zellwänden, sodass sich das Gewebe später zu einer einzigen Zellschicht quetschen lässt und der Farbstoff besser eindringt. Danach wird gespült und gefärbt.
| Farbstoff | Herkunft | Farbe der Chromosomen | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Karmin-Essigsäure | roter Naturfarbstoff aus Cochenilleschildläusen, gelöst in Essigsäure | rot | klassischer Schulfarbstoff; die Essigsäure fixiert und weicht zugleich auf |
| Orcein-Essigsäure | ursprünglich aus Flechten gewonnen, gelöst in Essigsäure | rotviolett | kräftiger Kontrast; färbt die Lösung zu stark, wird sie mit 45-prozentiger Essigsäure verdünnt |
| Toluidinblau | synthetischer Farbstoff, gelöst in Wasser | blau bis violett | wässrige Lösung ohne konzentrierte Säure, daher in der Handhabung weniger gefährlich |
Alle drei Farbstoffe färben Chromosomen deutlich und das Zellplasma kaum. Für das Zählen von Mitosephasen sind sie völlig ausreichend. Hast du ein gut gefärbtes Präparat, kannst du im nächsten Schritt den Mitoseindex berechnen.
Sicherheit
Nur im Biologieraum und nur unter Anleitung der Lehrkraft arbeiten. Salzsäure ist ätzend, warm ist sie besonders gefährlich: Schutzbrille tragen und nicht über das Gefäß beugen. Eisessig und essigsaure Farbstofflösungen sind ätzend und reizen Augen und Atemwege; konzentrierte Lösungen werden im Abzug angesetzt. Handschuhe schützen außerdem vor dauerhaft gefärbter Haut. Welche Stoffe an deiner Schule verwendet werden dürfen, legt die Gefährdungsbeurteilung der Schule fest.
Feulgen-Färbung: Der Farbstoff, der nur DNA färbt
Karmin und Orcein färben das gesamte Chromatin, also DNA samt Proteinen. Wer wirklich nur die DNA sehen will, braucht die Feulgen-Färbung. Robert Feulgen und Heinrich Rossenbeck stellten sie 1924 vor. Sie läuft in zwei Schritten ab:
- SäurehydrolyseDas Präparat wird in Salzsäure erwärmt, im Originalprotokoll mit 1 N HCl bei 60 °C für vier Minuten. Dabei lösen sich die Purinbasen Adenin und Guanin von der DNA. An den Zuckerbausteinen der DNA entstehen freie Aldehydgruppen.
- Schiff-ReagenzDas Schiff-Reagenz, ein farbloser Abkömmling des Farbstoffs Fuchsin, bindet an diese Aldehydgruppen und wird dabei wieder farbig. Die DNA erscheint magenta bis violett.
RNA wird nicht angefärbt: Ihr Zucker, die Ribose, trägt eine zusätzliche OH-Gruppe, die verhindert, dass die Basen bei der Hydrolyse auf dieselbe Weise abgelöst werden. Deshalb bleibt das RNA-reiche Kernkörperchen hell (Abb. 1). Noch wichtiger: Die Farbmenge ist proportional zur Zahl der Aldehydgruppen und damit zur DNA-Menge. 1949 zeigten Alfred Mirsky und Hans Ris mit solchen Messungen, dass die Zellkerne einer Art eine weitgehend konstante DNA-Menge enthalten. Ein Zellkern in der G2-Phase erscheint doppelt so intensiv gefärbt wie einer in G1. Im Schulalltag ist die Feulgen-Färbung seltener, weil sie aufwendiger ist.
Giemsa-Bänderung: Chromosomen mit Strichcode
Für ein Karyogramm, die geordnete Darstellung aller Chromosomen eines Menschen, reicht eine gleichmäßige Färbung nicht. Viele Chromosomen sind ähnlich groß und ähnlich gebaut. Man braucht ein Merkmal, an dem sich jedes Chromosom eindeutig erkennen lässt. Dafür sorgt die G-Bänderung, die heute häufigste Bänderungstechnik.
Meist verwendet man weiße Blutzellen, die in Kultur zur Teilung angeregt werden. Ein Spindelgift hält sie in der Metaphase fest, wie die Seite Spindelapparat erklärt. Nach Fixierung und Auftropfen auf Objektträger werden die Chromosomen kurz mit dem Enzym Trypsin angedaut und dann mit Giemsa-Lösung gefärbt. Dabei entsteht auf jedem Chromosom ein Muster aus dunklen und hellen Querbanden. Dunkle Banden sind reich an den Basen A und T, dichter gepackt und eher genarm. Helle Banden sind reich an G und C und enthalten mehr aktive Gene. Homologe Chromosomen zeigen dasselbe Muster, so lassen sie sich paarweise zuordnen.
Fachleute erkennen am Bandenmuster nicht nur, welches Chromosom vorliegt, sondern auch, ob ein Stück fehlt, verdoppelt oder an ein anderes Chromosom gewandert ist. Eine zusätzliche Kopie eines ganzen Chromosoms, etwa bei Trisomie 21, fällt im Karyogramm sofort auf. Wie Chromosomen insgesamt aufgebaut sind, zeigt die Seite Chromosomen.
Merke
Chromosomen färben = Kontrast schaffen. Basische Farbstoffe binden an die negativ geladene DNA. Schule: Salzsäure, dann Karmin-, Orcein-Essigsäure oder Toluidinblau. Feulgen: nur DNA, mengenproportional. Giemsa nach Trypsin: Bandenmuster, mit dem man im Karyogramm jedes Chromosom erkennt.
Typische Fehler
- „Farbstoffe färben Chromosomen nur in der Mitose.“ Auch in der Interphase wird das Chromatin gefärbt. Weil es dann locker verteilt ist, erscheint der Kern gleichmäßig gefärbt, ohne einzelne Chromosomen.
- „Je länger gefärbt, desto besser.“ Überfärbte Präparate sind dunkel und kontrastarm. Lieber kurz färben und kontrollieren.
- „Eine Giemsa-Bande ist ein Gen.“ Eine einzelne Bande umfasst Millionen Basenpaare und meist viele Gene.
- „Die Feulgen-Färbung färbt alle Nukleinsäuren.“ Sie ist spezifisch für DNA; RNA bleibt ungefärbt.
Vertiefung Oberstufe: Bandennamen lesen – was bedeutet 7q31.2?
Damit sich Labore weltweit verständigen können, hat jede Bande eine feste Adresse. Die Bezeichnung 7q31.2 liest du von links nach rechts: Chromosom 7, langer Arm q (der kurze Arm heißt p), Region 3, Bande 1, Unterbande 2. Gezählt wird immer vom Zentromer nach außen zum Chromosomenende. Je weiter eine Nummer vom Zentromer entfernt liegt, desto höher ist sie.
Mit dieser Adresse lässt sich die Lage von Genen beschreiben. Das Gen CFTR, dessen Veränderungen Mukoviszidose verursachen, liegt zum Beispiel auf 7q31.2. Auch Befunde werden so notiert: Fehlt einem Patienten ein Stück am Ende des kurzen Arms von Chromosom 5, steht im Befund eine Deletion in 5p.
Die Auflösung hängt davon ab, wie stark die Chromosomen verdichtet sind. In der Metaphase sind sie am kürzesten, und es verschmelzen benachbarte Banden. In früheren Phasen, wenn die Chromosomen länger sind, unterscheidet man mehr und feinere Banden. Neben der G-Bänderung gibt es weitere Verfahren, etwa die R-Bänderung mit umgekehrtem Muster. In der Forschung und Diagnostik kommen heute zusätzlich Fluoreszenzfarbstoffe und markierte DNA-Sonden zum Einsatz, mit denen sich einzelne Abschnitte gezielt sichtbar machen lassen.
Fachbegriffe
- Chromatin
- Komplex aus DNA und Proteinen im Zellkern; in der Mitose zu Chromosomen verdichtet.
- basischer Farbstoff
- Positiv geladener Farbstoff, der an negativ geladene Strukturen wie DNA bindet.
- Feulgen-Färbung
- DNA-spezifische Färbung aus Säurehydrolyse und Schiff-Reagenz; die Farbmenge entspricht der DNA-Menge.
- G-Bänderung
- Färbung von Metaphase-Chromosomen mit Giemsa nach Trypsin-Behandlung; erzeugt ein typisches Bandenmuster.
- Karyogramm
- Geordnete Darstellung aller Chromosomen einer Zelle, nach Größe und Bandenmuster sortiert.
- p- und q-Arm
- Kurzer (p) und langer (q) Arm eines Chromosoms, getrennt durch das Zentromer.
Aufgaben
AFB I Wissen wiedergeben AFB II Anwenden AFB III Beurteilen
- AFB INenne drei Farbstoffe, mit denen in der Schule Chromosomen gefärbt werden, und beschreibe die Sicherheitsregeln beim Arbeiten mit warmer Salzsäure.
Lösung anzeigen
Karmin-Essigsäure, Orcein-Essigsäure, Toluidinblau. Sicherheit: nur unter Anleitung der Lehrkraft, Schutzbrille tragen, nicht über das Gefäß beugen, Handschuhe tragen, Gefahrstoffhinweise der Schule beachten.
- AFB IIErkläre, warum sich DNA mit basischen Farbstoffen gut färben lässt und warum Metaphase-Chromosomen kräftiger gefärbt erscheinen als ein Interphasekern.
Lösung anzeigen
Die Phosphatgruppen im Rückgrat der DNA sind negativ geladen. Basische Farbstoffe sind positiv geladen und werden elektrostatisch gebunden. In der Metaphase ist die DNA stark verdichtet; auf kleiner Fläche liegt viel DNA und damit viel gebundener Farbstoff. In der Interphase ist das Chromatin über den ganzen Kern verteilt und erscheint heller und gleichmäßiger.
- AFB IIErläutere, warum bei der Feulgen-Färbung das Kernkörperchen hell bleibt, während es bei einer Orcein-Färbung oft dunkel erscheint.
Lösung anzeigen
Das Kernkörperchen enthält vor allem RNA und Proteine. Die Feulgen-Färbung erfasst nur DNA: Nur dort entstehen nach der Hydrolyse Aldehydgruppen, an die das Schiff-Reagenz bindet. RNA wird nicht gefärbt. Orcein dagegen bindet als basischer Farbstoff an negativ geladene Strukturen allgemein, also auch an RNA-reiche Bereiche.
- AFB IIDeute die Bandenbezeichnung 5p15.2 und gib an, wo diese Bande ungefähr auf dem Chromosom liegt.
Lösung anzeigen
Chromosom 5, kurzer Arm p, Region 1, Bande 5, Unterbande 2. Weil vom Zentromer nach außen gezählt wird, liegt Region 1 mit der hohen Bandennummer 5 im äußeren Bereich des kurzen Arms, nahe dem Ende von 5p.
- AFB IIIBeurteile, welche Färbung eine Arbeitsgruppe wählen sollte, die mit einem Bildanalyseprogramm prüfen will, ob Zellkerne in der G2-Phase doppelt so viel DNA enthalten wie Kerne in der G1-Phase.
Lösung anzeigen
Geeignet ist die Feulgen-Färbung: Sie färbt nur DNA, und die Farbmenge ist proportional zur DNA-Menge. Die Helligkeit eines Kerns lässt sich daher als Maß für seinen DNA-Gehalt verwenden. Orcein, Karmin oder Toluidinblau färben auch Proteine oder RNA mit und hängen stärker von Färbedauer und Verdichtung ab; ihre Farbintensität ist kein zuverlässiges Maß für die DNA-Menge. Einschränkungen: Das Feulgen-Protokoll muss für alle Präparate exakt gleich ablaufen (Hydrolysezeit, Temperatur), und es braucht Kontrollen. Zudem ist der Aufwand höher, und die verwendeten Chemikalien müssen nach der Gefährdungsbeurteilung der Schule zulässig sein.
Weiterlernen
Quellen & Stand
- Practical Biology: Investigating mitosis in a root tip squash (Färbelösungen und Sicherheitshinweise).
- Science & Plants for Schools (SAPS): Investigating mitosis in allium root tip squash.
- Biggiogera, M.; Cavallo, M.; Casali, C.: A brief history of the Feulgen reaction. Histochemistry and Cell Biology 162 (2024), S. 3–12.
- Wikipedia: G-banding.
Stand: Oktober 2026.