Gibt es geklonte Menschen?
Vertiefung zum Themageklonte Organismen
Seit dem Klonschaf Dolly taucht die Frage immer wieder auf: Laufen irgendwo schon geklonte Menschen herum? Es gab spektakuläre Ankündigungen, einen der größten Fälschungsskandale der Wissenschaft und echte Fortschritte im Labor. Hier erfährst du, was davon belegt ist, warum das Klonen von Menschen biologisch so riskant wäre und was das Recht dazu sagt.
Einfach erklärt
Diese Seite vertieft das Thema „Geklonte Organismen“. Gibt es geklonte Menschen? Nein. Bis heute gibt es keinen belegten Fall. 2002 meldet die Firma Clonaid die Geburt von einem geklonten Baby. Sie legt aber nie Beweise vor. 2004 und 2005 fälscht ein Forscher aus Südkorea Daten zu geklonten Embryonen. Ein Embryo ist ein Lebewesen in seiner frühesten Entwicklung.
Man unterscheidet zwei Arten. Beim reproduktiven Klonen soll ein Kind entstehen. Beim therapeutischen Klonen wächst der Embryo nur wenige Tage im Labor. Daraus gewinnt man Stammzellen für die Forschung. Das gelingt seit 2013. Kein solcher Embryo kommt dabei in eine Gebärmutter.
Das Wichtigste:
- In Deutschland ist das Klonen von Menschen verboten.
- Bei Tieren sterben beim Klonen sehr viele Embryonen ab.
- Ein Klon hat eine eigene Entwicklung und eigene Erfahrungen.
Merke: Es gibt keinen belegten geklonten Menschen.
Kurz gesagt
Gibt es geklonte Menschen? Nein. Bis heute (Stand: Oktober 2026) gibt es keinen wissenschaftlich belegten Fall eines geklonten Menschen. Die Firma Clonaid behauptete 2002 die Geburt eines Klonbabys, legte aber nie Belege vor. Der Südkoreaner Hwang Woo-suk fälschte 2004 und 2005 Daten zu geklonten menschlichen Embryonen. Belegt ist nur, dass sich seit 2013 aus geklonten menschlichen Embryonen im Labor Stammzellen gewinnen lassen – ohne dass ein Embryo eingepflanzt wird. Das reproduktive Klonen von Menschen ist in Deutschland und vielen anderen Staaten verboten.
Das lernst du hier
- reproduktives und therapeutisches Klonen unterscheiden,
- Behauptungen und belegte Forschung zum Klonen von Menschen einordnen,
- biologische Hürden des Klonens von Primaten erklären,
- Verbote und Argumente zum Klonen von Menschen beurteilen.
Gibt es geklonte Menschen? Was damit gemeint ist
Ein Klon ist ein Lebewesen mit dem gleichen Erbgut wie ein anderes. In diesem Sinn gibt es menschliche Klone schon immer: eineiige Zwillinge entstehen aus einer einzigen befruchteten Eizelle und sind genetisch fast identisch. Gemeint ist mit der Frage aber etwas anderes – ein Mensch, der künstlich aus einer Körperzelle eines bereits lebenden Menschen erzeugt wird, so wie Dolly aus einer Euterzelle.
Dabei unterscheidet man zwei Ziele. Beim reproduktiven Klonen wird ein geklonter Embryo in eine Gebärmutter übertragen, damit ein Kind entsteht. Beim therapeutischen Klonen wird der Embryo nur wenige Tage im Labor kultiviert, um daraus Stammzellen zu gewinnen, die genetisch zum Spender passen (mehr unter Was könnte Klonen nützen?). Beide Verfahren beginnen mit dem gleichen Schritt, dem Zellkerntransfer. Einen Überblick über alle bisher geklonten Tierarten gibt die Seite geklonte Organismen.
Behauptungen und Fälschungen
Clonaid und das angebliche Klonbaby „Eve“
Am 27. Dezember 2002 verkündete Brigitte Boisselier, Chefin der Firma Clonaid, in Florida die Geburt eines geklonten Mädchens namens „Eve“. Clonaid steht der Raël-Bewegung nahe, einer UFO-Religion, die im Klonen einen Weg zur Unsterblichkeit sieht. Bei der Pressekonferenz wurden weder Mutter noch Kind noch DNA-Proben gezeigt. Ein früherer Wissenschaftsjournalist sollte einen unabhängigen DNA-Test organisieren – Clonaid zog das Angebot zurück. Später behauptete die Firma, bis 2004 seien insgesamt 13 Klonkinder geboren worden. Überprüfbare Belege gab es nie.
Hwang Woo-suk: gefälschte Klon-Stammzellen
2004 und 2005 meldete der südkoreanische Forscher Hwang Woo-suk in der Zeitschrift Science, er habe menschliche Embryonen geklont und daraus Stammzellen gewonnen, sogar passgenau für einzelne Patienten. Ende 2005 stellte sich heraus, dass die Daten gefälscht waren; beide Artikel wurden zurückgezogen. Echt war dagegen sein geklonter Hund Snuppy. Die ganze Geschichte erzählt die Seite Hwang Woo-suk.
Was im Labor tatsächlich gelang
Erst 2013 gelang einem Team an der Oregon Health & Science University (USA), was Hwang vorgetäuscht hatte: Aus geklonten menschlichen Embryonen gewannen die Forschenden embryonale Stammzellen. Frühere Versuche waren gescheitert, weil die Embryonen sich nach wenigen Teilungen nicht weiterentwickelten. Die Spenderzellen stammten von einem Fötus und einem Säugling; 2014 gelang einem anderen Team dasselbe mit Hautzellen von Männern im Alter von 35 und 75 Jahren. Keiner dieser Embryonen wurde in eine Gebärmutter übertragen.
Wie schwierig der nächste Schritt wäre, zeigen Versuche an unseren nächsten Verwandten, den Affen. 2018 stellte ein Team in Shanghai die ersten geklonten Javaneraffen vor. Mit Zellen eines Affenfötus wurden 21 Leihmütter behandelt; es gab sechs Schwangerschaften und zwei gesunde Junge. Mit Zellen erwachsener Affen gab es bei 42 Leihmüttern 22 Schwangerschaften, aber die beiden geborenen Jungen lebten nur kurz.
Warum das Klonen von Menschen so riskant wäre
Selbst wenn es jemand versuchen würde, stünde er vor Hürden, die bei Tieren bis heute nicht gelöst sind:
- Unvollständige ReprogrammierungDie Eizelle muss das Genaktivitätsmuster der Körperzelle löschen. Gelingt das nur teilweise, sterben die meisten Embryonen und Föten ab. Für Dolly brauchte man 277 rekonstruierte Embryonen.
- Besondere Probleme bei PrimatenEine Studie von 2003 zeigte, dass beim Entkernen von Affen-Eizellen Eiweiße verloren gehen, die für eine geordnete Zellteilung nötig sind. Die Chromosomen werden dann falsch verteilt. Erst neue Tricks machten Klonaffen möglich.
- Fehler in der PlazentaBei geklonten Rhesusaffen war vor allem das Gewebe fehlerhaft, aus dem die Plazenta entsteht. Für den Affen ReTro musste es durch Zellen normal befruchteter Embryonen ersetzt werden.
- Viele Frauen als Spenderinnen und LeihmütterFür jeden Versuch wären Eizellen nötig, deren Entnahme mit Hormonbehandlung und Risiken verbunden ist, sowie Frauen, die Schwangerschaften mit hohem Fehlgeburtsrisiko austragen.
- Unklare Folgen für das KindNiemand könnte vorher sagen, ob ein geklontes Kind gesund wäre. Ein solcher Versuch wäre ein Experiment an einem Menschen, der nicht zustimmen kann.
Merke
Es gibt keinen belegten geklonten Menschen. Gelungen ist nur das therapeutische Klonen im Labor: Seit 2013 lassen sich aus geklonten menschlichen Embryonen Stammzellen gewinnen. Reproduktives Klonen wäre wegen unvollständiger Reprogrammierung, hoher Verluste und unklarer Folgen für das Kind sehr riskant und ist in Deutschland verboten.
Wer die Geschichte des ersten Klons eines erwachsenen Säugetiers genauer kennenlernen möchte, findet sie unter Klonschaf Dolly.
Was das Recht sagt
| Regelung | Seit | Inhalt |
|---|---|---|
| Embryonenschutzgesetz (Deutschland), § 6 | 1991 | Verbietet, einen Embryo mit gleicher Erbinformation wie ein anderer Embryo, Fötus oder Mensch zu erzeugen oder zu übertragen; bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe. Nach überwiegender Auffassung erfasst das auch das therapeutische Klonen. |
| Zusatzprotokoll zur Biomedizin-Konvention des Europarats | 1998 | Verbietet Eingriffe mit dem Ziel, einen Menschen zu erzeugen, der mit einem anderen genetisch identisch ist. Deutschland hat die Konvention nicht unterzeichnet, weil sie ihm in anderen Punkten zu wenig streng ist. |
| Charta der Grundrechte der EU, Artikel 3 | 2000, verbindlich seit 2009 | Nennt das Verbot des reproduktiven Klonens von Menschen als Teil des Rechts auf Unversehrtheit. |
| Erklärung der Vereinten Nationen über das Klonen von Menschen | 2005 | Ruft alle Staaten auf, alle Formen des Klonens von Menschen zu verbieten, soweit sie mit der Menschenwürde unvereinbar sind. Abstimmung: 84 Ja, 34 Nein, 37 Enthaltungen; rechtlich nicht bindend. |
Weltweit gibt es also kein einheitliches, bindendes Verbot. Umstritten ist vor allem das therapeutische Klonen: Einige Staaten, etwa Großbritannien, erlauben es unter strengen Auflagen für die Forschung; in Deutschland gilt es nach überwiegender Rechtsauffassung als verboten.
Argumente, die für Klonen genannt werden
- Paare, die keine Keimzellen bilden können, hätten ein genetisch eigenes Kind.
- Selbstbestimmung über die eigene Fortpflanzung.
- Therapeutisches Klonen könnte passgenaue Zellen für Patienten liefern.
Einwände gegen das Klonen von Menschen
- Hohes Risiko für Fehlbildungen, Fehlgeburten und Gesundheitsschäden.
- Experiment an einem Kind, das nicht einwilligen kann.
- Gefahr, dass ein Kind als Ersatz oder Kopie eines anderen Menschen gesehen wird.
- Für passgenaue Stammzellen gibt es inzwischen Alternativen ohne Embryonen.
Typische Fehler
- „Die CRISPR-Babys aus China waren Klone.“ Falsch – bei den 2018 geborenen Zwillingen wurde das Erbgut befruchteter Embryonen mit der Genschere verändert. Geklont wurde nichts.
- „Therapeutisches Klonen erzeugt Menschen.“ Falsch – dabei wird der Embryo nur wenige Tage im Labor kultiviert, um Stammzellen zu gewinnen.
- „Ein Klon wäre eine exakte Kopie mit denselben Erinnerungen.“ Falsch – ein Klon wäre ein jüngerer Zwilling mit eigener Entwicklung, eigenen Erfahrungen und eigener Persönlichkeit.
- „Clonaid hat bewiesen, dass es geht.“ Falsch – es gab nie einen unabhängigen Nachweis.
Vertiefung Oberstufe: Wie gleich wäre ein Klon wirklich?
Selbst ein gelungener Klon wäre seinem Spender weniger ähnlich, als die Vorstellung einer „Kopie“ nahelegt. Das zeigt ein Vergleich mit eineiigen Zwillingen, die sogar zur selben Zeit in derselben Gebärmutter heranwachsen.
Mitochondrien: Die Kern-DNA stammt aus der Spenderzelle, die Mitochondrien mit ihrer eigenen DNA aber aus der Eizelle. Bei den Klonaffen von 2018 bestätigten Analysen genau das. Ein Klon ist also in der Regel nicht vollständig identisch mit seinem Spender.
Somatische Mutationen: Jede Körperzelle sammelt im Lauf des Lebens eigene Mutationen. Der Klon erbt die Mutationen genau der einen Spenderzelle – Veränderungen, die beim Spender nur in einem kleinen Teil seiner Zellen vorkommen, wären beim Klon in jeder Zelle.
Epigenetik und Umwelt: Welche Gene aktiv sind, hängt von epigenetischen Markierungen ab, die durch Entwicklung und Umwelt geprägt werden. Eine Auswertung fast aller Zwillingsstudien aus 50 Jahren mit über 17.000 Merkmalen kam auf eine durchschnittliche Erblichkeit von 49 %. Der Rest der Unterschiede zwischen Menschen geht auf Umwelt und Zufall zurück. Ein Klon wüchse zudem Jahrzehnte später in einer anderen Familie und Zeit auf als sein Spender.
Ein Klon wäre damit ein eigenständiger Mensch – genetisch sehr ähnlich, aber mit eigener Biografie. Die Hoffnung, mit einem Klon einen verstorbenen Menschen „zurückzubekommen“, ist biologisch nicht begründet.
Fachbegriffe
- reproduktives Klonen
- Klonen mit dem Ziel, ein lebendes Individuum zu erzeugen.
- therapeutisches Klonen
- Zellkerntransfer, um aus dem frühen Embryo Stammzellen für Forschung oder Therapie zu gewinnen.
- Zellkerntransfer
- Übertragung des Kerns einer Körperzelle in eine entkernte Eizelle.
- eineiige Zwillinge
- Natürliche Klone, die aus einer einzigen befruchteten Eizelle hervorgehen.
- somatische Mutation
- Mutation in einer Körperzelle, die nicht über Keimzellen vererbt wird.
- Embryonenschutzgesetz
- Deutsches Gesetz von 1990, das unter anderem das Klonen von Menschen verbietet.
Aufgaben
AFB I Wissen wiedergeben AFB II Anwenden AFB III Beurteilen
- AFB INenne den Unterschied zwischen reproduktivem und therapeutischem Klonen.
Lösung anzeigen
Beim reproduktiven Klonen wird der geklonte Embryo in eine Gebärmutter übertragen, damit ein Lebewesen geboren wird. Beim therapeutischen Klonen wird der Embryo nur wenige Tage im Labor kultiviert, um daraus Stammzellen zu gewinnen, die genetisch zum Spender passen.
- AFB IIBerechne für die Klonaffen von 2018 den Anteil gesunder Junge je Leihmutter und je Schwangerschaft, getrennt nach fötalen und erwachsenen Spenderzellen.
Lösung anzeigen
Fötale Zellen: 2 von 21 Leihmüttern ≈ 9,5 %, 2 von 6 Schwangerschaften ≈ 33 %. Erwachsene Zellen: 0 von 42 Leihmüttern und 0 von 22 Schwangerschaften führten zu einem dauerhaft lebenden Jungen (2 Geburten, beide Tiere starben kurz danach). Mit Zellen erwachsener Tiere, wie sie für das Klonen eines lebenden Menschen nötig wären, war das Verfahren also am wenigsten erfolgreich.
- AFB IIErkläre, warum die Behauptung von Clonaid aus wissenschaftlicher Sicht nicht als Nachweis gilt.
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Ein wissenschaftlicher Nachweis braucht überprüfbare Daten: einen DNA-Vergleich von Kind und angeblicher Spenderin durch unabhängige Fachleute und eine Veröffentlichung, die andere prüfen können. Clonaid zeigte weder Kind noch Mutter noch Proben und zog den angekündigten unabhängigen Test zurück. Eine bloße Ankündigung ist keine Evidenz – zumal die Firma ein ideologisches Interesse am Erfolg hatte.
- AFB IIErläutere, warum ein geklonter Mensch nicht völlig identisch mit seinem Spender wäre.
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Die Mitochondrien-DNA stammt aus der Eizelle, nicht vom Spender. Der Klon erbt die somatischen Mutationen einer einzelnen Spenderzelle. Epigenetische Markierungen werden durch Entwicklung und Umwelt geprägt. Zudem wüchse der Klon zu einer anderen Zeit und mit anderen Erfahrungen auf; viele Merkmale sind nur zum Teil erblich.
- AFB IIIBeurteile, ob ein weltweites, bindendes Verbot des reproduktiven Klonens von Menschen sinnvoll wäre.
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Dafür: Die Risiken für Kind und Frauen sind bei Tieren gut belegt; ein Versuch wäre ein Experiment ohne Einwilligung; nationale Verbote lassen sich umgehen, wenn Forschende in Länder ohne Regeln ausweichen. Dagegen oder einschränkend: Staaten haben unterschiedliche Werte, besonders beim therapeutischen Klonen; ein Verbot muss genau festlegen, was erfasst ist, damit sinnvolle Forschung nicht verhindert wird; Durchsetzung ist schwierig. Ein begründetes Urteil unterscheidet reproduktives und therapeutisches Klonen und wägt Schutz und Forschungsfreiheit ab.
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Quellen & Stand
- Tachibana, M. u. a. (2013): Human embryonic stem cells derived by somatic cell nuclear transfer. Cell 153 · Chung, Y. G. u. a. (2014): Human somatic cell nuclear transfer using adult cells. Cell Stem Cell 14.
- Liu, Z. u. a. (2018): Cloning of Macaque Monkeys by Somatic Cell Nuclear Transfer. Cell 172 · Simerly, C. u. a. (2003): Molecular correlates of primate nuclear transfer failures. Science 300.
- Polderman, T. J. u. a. (2015): Meta-analysis of the heritability of human traits based on fifty years of twin studies. Nature Genetics 47.
- Embryonenschutzgesetz: § 6 Klonen · Charta der Grundrechte der EU: Artikel 3 · Wikipedia: United Nations Declaration on Human Cloning · Wikipedia: Convention on Human Rights and Biomedicine.
- Wikipedia: Clonaid (Chronologie der Behauptungen).
Stand: Oktober 2026.