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Klonen in der Tierzucht: Rinder, Pferde, Kamele

Vertiefung zum ThemaWas könnte Klonen nützen?

Ein Polospieler reitet im Finale sechs Pferde – und alle sechs sind dieselbe Stute. Was nach einer Anekdote klingt, ist seit Jahren Alltag in Teilen der Tierzucht. Wo Einzeltiere viel Geld wert sind, lohnt sich der enorme Aufwand des Klonens.

Einfach erklärt

Diese Seite vertieft das Thema: Wofür ist Klonen nützlich? In der Tierzucht kopiert man einzelne wertvolle Tiere als Klone. Das sind genetische Kopien. Das geschieht per Zellkerntransfer – also mit dem Kern von einer Körperzelle und einer leeren Eizelle. Beispiele sind Zuchtbullen, Polopferde und Rennkamele.

Die Klone landen meist nicht auf dem Teller. Sie dienen als Elterntiere. Stirbt ein Spitzentier, setzt sein Klon die Zucht fort. Die Nachkommen entstehen durch normale Befruchtung. Sie sind deshalb keine Klone.

Das Verfahren klappt aber nur selten. Beim Rind entsteht nur aus etwa 6 bis 15 von 100 Embryonen ein Kalb. Viele Jungtiere haben Probleme, zum Beispiel ein zu hohes Gewicht. Auch die Vielfalt in einer Rasse kann sinken. In der EU klont kein Betrieb Tiere für den Handel. Klon-Fleisch gibt es hier nicht zu kaufen.

Merke: In der Zucht klont man Elterntiere, keine Tiere für den Teller.

Kurz gesagt

Klonen in der Tierzucht kopiert einzelne besonders wertvolle Tiere per Zellkerntransfer. Die Klone werden meist nicht gegessen, sondern als Elterntiere eingesetzt: Über Besamung geben sie ihre Gene an viele Nachkommen weiter. Die Erfolgsraten sind niedrig, es gibt Gesundheitsprobleme bei Jungtieren und Leihmüttern, und die genetische Vielfalt der Rasse kann leiden. In der EU wurde ein eigenes Klon-Gesetz 2020 zurückgezogen; Lebensmittel von Klonen spielen hier keine Rolle.

Das lernst du hier

  • erklären, warum Klone in der Zucht als Elterntiere genutzt werden,
  • belegte Beispiele aus Rinder-, Pferde- und Kamelzucht nennen,
  • Effizienz- und Gesundheitsdaten auswerten,
  • Nutzen, Tierwohl und Rechtslage beurteilen.

Warum klonen Züchter überhaupt?

In der Tierzucht geht es um Vererbung: Ein Bulle mit sehr guten Zuchtwerten kann über Besamung Zehntausende Nachkommen haben. Stirbt er, ist seine Linie begrenzt. Ein Klon kopiert sein Kern-Erbgut und kann die Arbeit fortsetzen. Dasselbe gilt für Sportpferde oder Rennkamele, bei denen einzelne Tiere außergewöhnlich erfolgreich sind.

Wichtig ist dabei eine Unterscheidung, die oft untergeht: Der Klon selbst landet in der Regel nicht auf dem Teller. Er dient als Elterntier (Abb. 1). Seine Nachkommen entstehen durch normale Befruchtung – sie sind also keine Klone, sondern neu gemischte Nachkommen wie alle anderen Tiere auch.

Warum sich Klonen in der Zucht rechnen kann Von links nach rechts: ein einzelnes Spitzentier mit besonders guten Zuchtwerten. Aus seinen Zellen entstehen wenige Klone, die dasselbe Erbgut tragen. Diese Klone werden nicht gegessen, sondern als Zuchttiere genutzt: Sie liefern Samen oder Eizellen. Daraus entstehen sehr viele Nachkommen in der Herde. Unten der Hinweis, dass die Nachkommen durch die Befruchtung wieder neu gemischt sind und dass die Vielfalt in der Herde sinkt, wenn viele Betriebe dieselben Linien nutzen. 1 Spitzentier2 wenige Klone3 Zuchteinsatz4 Herde geprüfte, sehr guteZuchtwerte gleiches Kern-Erbgut Samen oder Eizellenfür die Besamung viele Nachkommen Die Klone selbst werden meist nicht gegessen – sie sind Elterntiere. Ihre Nachkommen entstehen durch Befruchtung und sind daher neu gemischt, keine Klone. Setzen viele Betriebe dieselben Linien ein, sinkt die genetische Vielfalt der Rasse.
Abb. 1: Der Weg vom Spitzentier zur Herde. Bernstein: Kern-Erbgut des Ausgangstiers, türkis umrandet: die Klone, blau: Samenportionen für die Besamung. Nur die Klone selbst sind genetisch gleich; ihre Nachkommen sind es nicht.

Drei Beispiele

Rinder und Schweine. Hier wird am längsten geklont, vor allem in Nord- und Südamerika sowie in Asien. Geklont werden Tiere mit sehr guten Zuchtwerten oder besonders begehrte Linien; die Klone kommen in die Zucht. In Europa spielt das praktisch keine Rolle. Anders als beim Klonen für den Artenschutz geht es hier nicht um verlorene Vielfalt, sondern um wirtschaftlichen Wert.

Polopferde. Im argentinischen Polo sind Klone bekannter Stuten etabliert. Der Spieler Adolfo Cambiaso ließ seine erfolgreiche Stute Cuartetera klonen und ritt in Turnieren mehrere dieser Klone. Der Vorteil für den Sport: Die Tiere sind einander sehr ähnlich, und erfolgreiche Linien lassen sich fortsetzen, auch wenn ein Tier kastriert oder zu alt ist.

Rennkamele. Am 8. April 2009 wurde in Dubai das erste geklonte Kamel geboren, ein weibliches Dromedar namens Injaz. Die Ausgangszellen stammten von einem 2005 geschlachteten Tier und waren in flüssigem Stickstoff gelagert worden. 2015 brachte Injaz selbst ein Fohlen zur Welt – ein Beleg dafür, dass geklonte Kamele normal fruchtbar sein können.

Merke

Geklont werden in der Zucht Elterntiere, keine Schlachttiere. Der wirtschaftliche Wert liegt in den Genen, die über Besamung weitergegeben werden. Deshalb lohnt sich das aufwendige Verfahren nur bei Tieren, deren Nachkommen sehr viel Geld wert sind. Wie der Zellkerntransfer abläuft, zeigt die Seite Zellkerntransfer.

Was die Zahlen sagen: Effizienz und Gesundheit

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat den Stand der Forschung 2012 zusammengefasst. Die Zahlen zeigen, warum Klonen kein Massenverfahren ist:

VerfahrenLebende Nachkommen je übertragenem Embryo
Zellkerntransfer beim Rindetwa 6 bis 15 Prozent
Zellkerntransfer beim Schweinetwa 6 Prozent
künstliche Befruchtung im Reagenzglas (Rind)etwa 45 bis 60 Prozent

Außerdem hielt die EFSA fest: Der Zellkerntransfer kann gesunde Klone hervorbringen, viele Klone zeigen jedoch Entwicklungsstörungen – vermutlich, weil die Reprogrammierung des Zellkerns unvollständig bleibt. Betroffen sind vor allem die Zeit um die Geburt und die ersten Lebensmonate; auch Leihmütter hatten häufiger auffällige Trächtigkeiten. Bekannt ist dieses Muster als Large Offspring Syndrome: zu große Kälber oder Lämmer, Schwergeburten, Probleme mit Plazenta und Atmung.

Zur Lebensmittelsicherheit kam die EFSA zu dem Ergebnis, dass sich Fleisch und Milch gesunder Klone und ihrer Nachkommen nicht von denen herkömmlich gezüchteter Tiere unterscheiden. Für andere Nutztierarten als Rind und Schwein reichten die Daten für eine Bewertung nicht aus.

Rechtslage: Warum Klonfleisch in der EU kein Thema ist

2013 schlug die EU-Kommission eigene Regeln für das Klonen von Nutztieren vor. Das Europäische Parlament verschärfte den Entwurf 2015 deutlich und wollte neben dem Klonen selbst auch Klon-Nachkommen und Importe einbeziehen. Rat und Parlament einigten sich nicht; die Kommission zog den Vorschlag im September 2020 zurück. Ein eigenes EU-Klon-Gesetz gibt es deshalb bis heute nicht (Stand: Oktober 2026).

Praktisch heißt das: In der EU wird nicht kommerziell geklont, und Lebensmittel von Klonen werden hier nicht vermarktet. Anders in den USA: Dort kam die Lebensmittelbehörde FDA 2008 zu dem Schluss, dass Fleisch und Milch von geklonten Rindern, Schweinen und Ziegen ebenso sicher sind wie die herkömmlicher Tiere.

Typische Fehler

  • „Im Supermarkt liegt Klonfleisch.“ In der EU nicht. Geklont wird hier nicht kommerziell, und Klone dienen anderswo als Elterntiere, nicht als Schlachttiere.
  • „Die Nachkommen eines Klons sind auch Klone.“ Nein. Sie entstehen durch Befruchtung und sind genetisch neu gemischt.
  • „Klonen verbessert die Rasse.“ Es kopiert nur vorhandene Gene. Fortschritt entsteht durch Auswahl und Kombination, nicht durch Kopieren.
  • „Klone sind immer krank.“ Viele Klon-Embryonen und Jungtiere haben Probleme, erwachsene Klone sind aber oft unauffällig. Beides gehört zum Bild.

Wusstest du?

Das erste geklonte Kamel Injaz bekam 2015 selbst ein Fohlen – auf natürlichem Weg. Dass Klone fruchtbar sind und ihre Gene normal weitergeben, ist für die Zucht entscheidend: Ohne Nachkommen wäre ein Klon wirtschaftlich wertlos.

Vertiefung Oberstufe: Zuchtwert, Kopie und das Problem der Vielfalt

In der Tierzucht beschreibt der Zuchtwert, wie viel ein Tier genetisch zur Leistung seiner Nachkommen beiträgt. Er wird aus der eigenen Leistung, der Leistung der Verwandten und zunehmend aus genomischen Daten geschätzt. Ein Klon hat denselben Zuchtwert wie das Ausgangstier, weil er dasselbe Kern-Erbgut besitzt. Was er nicht hat, ist dieselbe Umwelt: Fütterung, Haltung und Zufall wirken auf jedes Tier anders, weshalb sich die tatsächliche Leistung unterscheiden kann.

Daraus folgt eine wichtige Einsicht: Klonen erzeugt keinen Zuchtfortschritt. Fortschritt entsteht, wenn in jeder Generation die besten Tiere ausgewählt und neu kombiniert werden – also durch Selektion auf Variation. Klonen vervielfältigt nur einen bereits erreichten Stand und kann ihn schneller verbreiten.

Genau hier liegt das Risiko. Setzen viele Betriebe auf dieselben wenigen Spitzenlinien, sinkt die genetische Vielfalt einer Rasse. Verwandte Tiere werden häufiger miteinander verpaart, der Inzuchtgrad steigt, und mit ihm Fruchtbarkeitsprobleme und rezessive Erbkrankheiten. Außerdem reagieren genetisch einheitliche Bestände empfindlicher auf neue Krankheiten. Dieses Problem gibt es auch ohne Klonen – die Besamung mit wenigen Spitzenbullen verstärkt es seit Jahrzehnten. Klonen würde den Effekt weiter verschärfen. Wie sich Allelhäufigkeiten in Populationen verschieben, behandelt die Seite Verschiebung von Genfrequenzen.

Fachbegriffe

Zuchtwert
Geschätzter genetischer Beitrag eines Tieres zur Leistung seiner Nachkommen.
Besamung
Übertragung von Samen auf weibliche Tiere ohne natürlichen Deckakt.
Large Offspring Syndrome
Übergroße Jungtiere mit Geburts- und Gesundheitsproblemen nach Klonen oder Embryokultur.
Leihmutter
Tier, das einen fremden Embryo austrägt.
Genetische Vielfalt
Zahl und Verteilung unterschiedlicher Allele in einer Population.
EFSA
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit; bewertet Risiken wissenschaftlich.

Aufgaben

AFB I Wissen wiedergeben AFB II Anwenden AFB III Beurteilen

  1. AFB IBeschreibe mithilfe von Abb. 1, wozu Klone in der Tierzucht eingesetzt werden.
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    Von einem Tier mit sehr guten Zuchtwerten werden Zellen entnommen; daraus entstehen wenige Klone mit demselben Kern-Erbgut. Diese Klone werden als Elterntiere genutzt und liefern Samen oder Eizellen für die Besamung. So entstehen viele Nachkommen, die das Erbgut des Ausgangstiers anteilig weitertragen.

  2. AFB IIWerte die Tabelle aus: Vergleiche die Effizienz von Zellkerntransfer und Befruchtung im Reagenzglas beim Rind und berechne, wie viele Embryonen für zehn Kälber nötig wären.
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    Beim Zellkerntransfer führen 6 bis 15 von 100 übertragenen Embryonen zu einem lebenden Kalb, bei der Befruchtung im Reagenzglas 45 bis 60. Für zehn Kälber bräuchte man per Zellkerntransfer also etwa 67 bis 167 übertragene Embryonen, bei der Befruchtung dagegen nur etwa 17 bis 22. Hinzu kommt, dass jeder übertragene Embryo eine Leihmutter benötigt – der Aufwand an Tieren ist beim Klonen um ein Vielfaches höher.

  3. AFB IIErkläre, warum die Nachkommen eines geklonten Bullen keine Klone sind.
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    Sie entstehen durch Befruchtung: Der Bulle steuert über das Spermium einen haploiden Chromosomensatz bei, die Kuh über die Eizelle den zweiten. Zuvor wurden die Chromosomen in der Meiose neu kombiniert. Jedes Kalb ist damit eine neue Mischung und nicht genetisch identisch mit dem Bullen.

  4. AFB IIErläutere, warum geklonte Tiere trotz gleichen Erbguts unterschiedlich viel Milch geben können.
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    Die Leistung hängt nicht nur vom Erbgut ab, sondern auch von der Umwelt: Fütterung, Haltung, Gesundheit, Stallklima und Betreuung. Hinzu kommen epigenetische Unterschiede und Zufälle in der Entwicklung. Der Zuchtwert ist bei Klonen gleich, der beobachtete Phänotyp nicht.

  5. AFB IIIBeurteile: Ein Zuchtverband schlägt vor, die zehn besten Bullen des Landes zu klonen und ihre Klone flächendeckend zur Besamung einzusetzen. Nimm Stellung.
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    Dafür: Gute Erbanlagen verbreiten sich schneller, Leistung und Futtereffizienz könnten steigen; der Verlust eines wertvollen Tieres wäre weniger dramatisch. Dagegen: Es entsteht kein Zuchtfortschritt, sondern nur Verbreitung des Erreichten; die genetische Vielfalt der Rasse sinkt, der Inzuchtgrad steigt, Erbkrankheiten und Seuchenanfälligkeit nehmen zu; Klonen belastet viele Leihmütter und Jungtiere; in der EU fehlt dafür die rechtliche Grundlage und die Akzeptanz. Eine begründete Position könnte Klonen auf einzelne Ausnahmefälle begrenzen und Vorgaben zur Vielfalt im Zuchtprogramm fordern.

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Quellen & Stand

Stand: Oktober 2026.

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