Genzukunft

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Intermediärer Erbgang: Beispiel Wunderblume

Vertiefung zum ThemaUniformitätsregel

Rot mal weiß gibt rosa: Bei der Wunderblume sieht das nach einem Farbkasten aus, in dem die Erbanlagen verrührt werden. Doch schon eine Generation später tauchen Rot und Weiß wieder auf. Der intermediäre Erbgang zeigt besonders anschaulich, dass sich Allele nicht vermischen, auch wenn ihre Wirkung es tut.

Einfach erklärt

Diese Seite vertieft das Thema Uniformitätsregel. Manchmal setzt sich keine Erbanlage durch. Dann zeigen die Nachkommen eine Zwischenform. Das nennt man intermediären Erbgang.

Ein Beispiel ist die Wunderblume. Man kreuzt eine rot blühende mit einer weiß blühenden Pflanze. Beide sind reinerbig. Das heißt: Sie haben zwei gleiche Anlagen für die Farbe. Alle Nachkommen blühen rosa. Dann kreuzt man die rosa Pflanzen untereinander. Jetzt erscheinen Rot und Weiß wieder. Das Verhältnis ist 1 rot zu 2 rosa zu 1 weiß.

Warum rosa? Die Anlage für Rot sorgt für roten Farbstoff. Die Anlage für Weiß tut das nicht. Mit nur einer roten Anlage entsteht weniger Farbstoff. So entsteht Rosa. Die Anlagen selbst vermischen sich nicht. Nur ihre Wirkung mischt sich. Anders ist es bei der Kodominanz. Dort zeigen sich beide Merkmale voll nebeneinander, zum Beispiel bei der Blutgruppe AB.

Merke: Beim intermediären Erbgang entsteht eine Zwischenform, zum Beispiel rosa.

Kurz gesagt

Beim intermediären Erbgang ist keines der beiden Allele dominant. Mischerbige Lebewesen zeigen eine Zwischenform der elterlichen Merkmale. Klassisches Beispiel ist die Wunderblume: Rot blühende (RR) × weiß blühende Pflanzen (WW) ergeben in der F1 nur rosa Blüten (RW). In der F2 spalten die Farben im Verhältnis 1 rot : 2 rosa : 1 weiß auf. Weil jeder Genotyp ein eigenes Aussehen hat, lässt sich der Genotyp direkt am Phänotyp ablesen.

Das lernst du hier

  • den intermediären Erbgang an der Wunderblume beschreiben und als Kreuzungsschema darstellen,
  • die Zwischenform mit einem einfachen Dosis-Modell erklären,
  • intermediäre, dominant-rezessive und kodominante Erbgänge unterscheiden,
  • Zuchtpläne bei intermediären Erbgängen beurteilen.

Intermediärer Erbgang am Beispiel der Wunderblume

Die Wunderblume (Mirabilis jalapa) stammt aus dem tropischen Amerika und ist bei uns eine beliebte Gartenpflanze. Ihre Blüten öffnen sich erst am späten Nachmittag. Es gibt Sorten mit roten, weißen und rosa Blüten. Kreuzt man eine reinerbig rot blühende mit einer reinerbig weiß blühenden Pflanze, sind alle Nachkommen rosa.

Weil keines der Allele dominant ist, schreibt man beide mit Großbuchstaben: R für rot, W für weiß. Die Eltern sind RR und WW, sie bilden nur R- bzw. nur W-Keimzellen. Alle Nachkommen sind deshalb RW. Die F1 ist also genauso einheitlich wie bei Mendels Erbsen, die Uniformitätsregel gilt auch hier. Nur gleicht die F1 keinem der Eltern.

Kreuzt man die rosa F1-Pflanzen untereinander, bilden beide Eltern R- und W-Keimzellen. Im Punnett-Quadrat entstehen RR, RW, RW und WW. Da jeder Genotyp seine eigene Farbe hat, stimmen Genotyp- und Phänotypverhältnis überein: 1 rot : 2 rosa : 1 weiß. Warum dieses 1 : 2 : 1 mit Mendels 3 : 1 eng verwandt ist, erklärt die Seite Spaltungsverhältnisse 3 : 1 und 1 : 2 : 1.

Intermediärer Erbgang bei der Wunderblume mit Farbstoffmodell Links: Eine rot blühende Wunderblume RR wird mit einer weiß blühenden WW gekreuzt. Alle Nachkommen der F1 sind RW und blühen rosa. In der Mitte das Punnett-Quadrat der F2 aus RW mal RW: RR rot, RW rosa, RW rosa, WW weiß, also 1 rot zu 2 rosa zu 1 weiß. Rechts ein Balkendiagramm als vereinfachtes Modell: RR bildet die volle Farbstoffmenge, RW etwa die Hälfte, WW keinen roten Farbstoff. PF1F2 aus RW × RW × RR rotWW weiß RW rosaalle gleich: uniform RWRW RRRWRWWW 1 rot : 2 rosa : 1 weiß Genotyp = Phänotyp Roter Farbstoff (Modell) voll≈ halbkeiner RRRWWW Zahl der R-Allele: 2, 1, 0bestimmt die Farbtiefe
Abb. 1: Intermediärer Erbgang bei der Wunderblume. Links Kreuzung der reinerbigen Eltern und uniforme F1, in der Mitte die F2 im Punnett-Quadrat, rechts ein vereinfachtes Modell: Die Farbtiefe hängt davon ab, wie viele R-Allele eine Pflanze trägt.

Warum rosa? Ein einfaches Modell für die Zwischenform

Ein Allel ist eine Bauanleitung, oft für ein Enzym. Vereinfacht gesagt steuert das Allel R ein Enzym, das an der Bildung des roten Blütenfarbstoffs beteiligt ist. Das Allel W liefert kein funktionierendes Enzym. Eine RR-Pflanze hat zwei funktionierende Kopien und bildet viel Farbstoff, die Blüte wird rot. Eine RW-Pflanze hat nur eine Kopie und bildet weniger Farbstoff, die Blüte ist rosa. Eine WW-Pflanze bildet keinen roten Farbstoff und blüht weiß. Man spricht von einem Dosiseffekt: Die Menge des Genprodukts entscheidet über das Aussehen.

Daran sieht man auch, wann ein Erbgang dominant-rezessiv wird: Reicht schon eine einzige funktionierende Kopie aus, um genug Farbstoff zu bilden, sehen RR und RW gleich aus. Ob ein Erbgang intermediär oder dominant-rezessiv ist, hängt also davon ab, ob die halbe Menge eines Genprodukts für das volle Merkmal genügt. Der Begriff unvollständige Dominanz wird meist gleichbedeutend mit „intermediär“ verwendet. Die Zwischenform muss dabei nicht genau in der Mitte liegen; sie kann einem Elternteil ähnlicher sein.

Merke

Intermediär: Mischerbige zeigen eine Zwischenform. P: RR × WW → F1: alle RW (uniform, Zwischenform). F2: RR : RW : WW = 1 : 2 : 1, Phänotypen ebenfalls 1 : 2 : 1. Der Genotyp ist am Phänotyp ablesbar. Die Allele selbst bleiben unverändert und trennen sich bei der Keimzellbildung wieder.

Intermediär, dominant-rezessiv oder kodominant?

Drei Fälle werden in Klausuren gern verwechselt. Entscheidend ist, wie der mischerbige Nachkomme aussieht:

ErbgangPhänotyp der MischerbigenBeispielF2 (Phänotypen)
dominant-rezessivwie der dominante ElternteilErbsen: Gg gelb wie GG3 : 1
intermediärZwischenformWunderblume: RW rosa1 : 2 : 1
kodominantbeide Merkmale nebeneinander voll ausgeprägtBlutgruppe AB: Merkmale A und B gleichzeitig1 : 2 : 1

Bei der Kodominanz entsteht also keine Mischfarbe. Ein Mensch mit den Allelen A und B bildet auf seinen roten Blutzellen beide Merkmale gleichzeitig, seine Blutgruppe ist AB. Wie die Blutgruppen genau vererbt werden, zeigt die Seite Blutgruppen-Vererbung. Einen Überblick über weitere Erbgänge, von Kodominanz bis Genkopplung, gibt die Seite Genetische Zusammenhänge.

Weitere Beispiele für intermediäre Erbgänge

  • Löwenmäulchen: Wie bei der Wunderblume ergibt die Kreuzung rot × weiß blühender Pflanzen rosa Blüten. Das Löwenmäulchen (Antirrhinum majus) ist ein klassisches Objekt der Pflanzengenetik.
  • Andalusierhuhn: Bei dieser Hühnerrasse sind nicht alle Tiere blau gefiedert. Tiere ohne Kopie eines aufhellenden Allels sind schwarz, mit einer Kopie blau, mit zwei Kopien fast weiß. Blaue Tiere treten deshalb in Mendelschen Verhältnissen doppelt so häufig auf wie jede der beiden anderen Farben.
  • Pferde (Cream-Gen): Das Cream-Allel wirkt unvollständig dominant mit deutlichem Dosiseffekt. Ein Fuchs mit einer Kopie wird zum goldfarbenen Palomino, mit zwei Kopien zum fast weißen Cremello mit blauen Augen.

Bemerkenswert: Die Wunderblume ist auch aus einem ganz anderen Grund berühmt. Carl Correns zeigte an Pflanzen mit gescheckten Blättern, dass manche Merkmale nur über die Mutter vererbt werden. Was es damit auf sich hat, erklärt die Seite Reziproke Kreuzung.

Typische Fehler

  • „Beim intermediären Erbgang vermischen sich die Erbanlagen.“ Nur die Wirkung mischt sich. Die Allele R und W bleiben unverändert, deshalb erscheinen Rot und Weiß in der F2 wieder.
  • „Rosa × rosa ergibt nur rosa.“ Es entstehen rot, rosa und weiß im Verhältnis 1 : 2 : 1.
  • „Kodominant und intermediär sind dasselbe.“ Intermediär heißt Zwischenform, kodominant heißt: beide Merkmale vollständig nebeneinander.
  • „Die Uniformitätsregel gilt hier nicht.“ Sie gilt: Alle F1-Pflanzen sind gleich, nur eben rosa statt wie ein Elternteil.
Vertiefung Oberstufe: Warum die Wunderblume gegen die Vermischungstheorie spricht

Vor Mendel stellten sich viele Forscher die Vererbung wie das Mischen von Flüssigkeiten vor: Die Eigenschaften der Eltern verschmelzen im Kind zu einem Mittelwert. Auf den ersten Blick passt die rosa F1 der Wunderblume perfekt zu dieser Vermischungstheorie.

Die F2 widerlegt sie. Wären die Anlagen tatsächlich verschmolzen, müssten alle Nachkommen rosa F1-Pflanzen wieder rosa sein. Stattdessen erscheinen reines Rot und reines Weiß, genau in den Anteilen, die man erwartet, wenn jede Pflanze zwei unveränderte Allele besitzt und davon je eines weitergibt. Der intermediäre Erbgang ist damit ein starkes Argument für Mendels Annahme, dass Erbanlagen getrennte Einheiten sind. Hinzu kommt ein Problem für die Evolution: Bei echter Vermischung würde die Vielfalt einer Population mit jeder Generation abnehmen, weil sich alles zum Mittelwert ausgleicht. Mendelsche Vererbung erhält dagegen die Allele unverändert über Generationen. Eine Population von Wunderblumen, die sich zufällig kreuzen, blüht deshalb auch nach vielen Generationen noch rot, rosa und weiß, statt einheitlich rosa zu werden.

Eine biochemische Randnotiz: Die roten und gelben Blütenfarbstoffe der Wunderblume sind keine Anthocyane wie bei Rosen oder Veilchen, sondern Betalaine. Diese Farbstoffgruppe kommt bei Pflanzen nur in einer bestimmten Ordnung vor, zu der auch die Rote Bete gehört.

Fachbegriffe

intermediärer Erbgang
Erbgang ohne Dominanz: Mischerbige zeigen eine Zwischenform der elterlichen Merkmale.
unvollständige Dominanz
Meist gleichbedeutend mit intermediär; ein Allel setzt sich nur teilweise durch.
Kodominanz
Beide Allele werden bei Mischerbigen vollständig und nebeneinander ausgeprägt, z. B. Blutgruppe AB.
Dosiseffekt
Die Zahl funktionsfähiger Allelkopien bestimmt die Menge des Genprodukts und damit die Ausprägung.
Wunderblume
Mirabilis jalapa, klassisches Beispiel für einen intermediären Erbgang der Blütenfarbe.

Aufgaben

AFB I Wissen wiedergeben AFB II Anwenden AFB III Beurteilen

  1. AFB IBeschreibe mit einem Kreuzungsschema die Kreuzung einer rot blühenden (RR) mit einer weiß blühenden Wunderblume (WW) bis zur F2.
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    P: RR × WW; Keimzellen R bzw. W. F1: alle RW, rosa (uniform). F1 × F1: RW × RW; Keimzellen R und W. F2: 1 RR (rot) : 2 RW (rosa) : 1 WW (weiß). Genotyp- und Phänotypverhältnis sind gleich.

  2. AFB IIWende an: Eine rosa blühende Wunderblume wird mit einer weiß blühenden gekreuzt. Gib die Nachkommen mit Verhältnis an und erkläre, warum man bei intermediären Erbgängen keine Rückkreuzung braucht, um Genotypen zu bestimmen.
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    RW × WW: Keimzellen R und W bzw. nur W. Nachkommen RW (rosa) und WW (weiß) im Verhältnis 1 : 1. Eine Rückkreuzung dient dazu, verdeckte Allele sichtbar zu machen. Beim intermediären Erbgang ist nichts verdeckt: Jeder Genotyp hat einen eigenen Phänotyp, man kann ihn direkt an der Blütenfarbe ablesen.

  3. AFB IIBerechne: Zwei blaue Andalusierhühner werden verpaart. Aus ihren Eiern schlüpfen 32 Küken. Wie viele schwarze, blaue und fast weiße Küken erwartest du? Gib die Genotypen an (D: aufhellendes Allel, d: nicht aufhellend).
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    Blau ist mischerbig: Dd × Dd. Nachkommen 1 dd (schwarz) : 2 Dd (blau) : 1 DD (fast weiß). Bei 32 Küken erwartet man 8 schwarze, 16 blaue und 8 fast weiße. Durch den Zufall können die tatsächlichen Zahlen davon abweichen.

  4. AFB IIVergleiche den intermediären Erbgang der Wunderblume mit der Vererbung der Blutgruppe AB. Nenne je eine Gemeinsamkeit und einen Unterschied.
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    Gemeinsamkeit: In beiden Fällen ist kein Allel dominant über das andere; Mischerbige unterscheiden sich von beiden Reinerbigen, das Spaltungsverhältnis in der F2 beträgt 1 : 2 : 1. Unterschied: Bei der Wunderblume entsteht eine Zwischenform (rosa). Bei der Blutgruppe AB werden beide Merkmale vollständig nebeneinander ausgeprägt; es gibt keine „halbe“ Blutgruppe, sondern A und B gleichzeitig (Kodominanz).

  5. AFB IIIBeurteile den Plan eines Züchters, eine reinerbige Linie blauer Andalusierhühner aufzubauen, die nur blaue Küken hervorbringt. Mache einen besseren Vorschlag.
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    Der Plan kann nicht gelingen. Blau entsteht nur bei Mischerbigkeit (Dd). Eine reinerbige blaue Linie gibt es nicht: Verpaart man blaue Tiere, entstehen immer auch schwarze und fast weiße Küken im Verhältnis 1 : 2 : 1. Besser: Man verpaart ein schwarzes (dd) mit einem fast weißen Tier (DD). Dann sind alle Küken Dd und damit blau, wie es die Uniformitätsregel vorhersagt. Dafür muss der Züchter allerdings dauerhaft beide reinerbigen Elternlinien halten.

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Quellen & Stand

Stand: Oktober 2026.

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