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Lichtmikroskop und Elektronenmikroskop im Vergleich

Vertiefung zum ThemaMikroskop

Im Schulbuch sieht ein Mitochondrium aus wie ein gestreiftes Kissen, unter deinem Schulmikroskop höchstens wie ein Krümel. Der Grund ist nicht deine Technik, sondern die Physik: Lichtmikroskop und Elektronenmikroskop arbeiten mit völlig verschiedener Strahlung. Hier lernst du, was das für Auflösung, Präparate und Bilder bedeutet – und welches Gerät für welche Frage das richtige ist.

Kurz gesagt

Der wichtigste Unterschied zwischen Lichtmikroskop und Elektronenmikroskop ist die Strahlung: Das Lichtmikroskop nutzt sichtbares Licht und Glaslinsen und trennt Strukturen bis etwa 0,2 µm. Das Elektronenmikroskop nutzt einen Elektronenstrahl und Magnetlinsen und löst bis in den Nanometerbereich und darunter auf. Dafür braucht es ein Vakuum und tote, aufwendig präparierte Proben. Lebende Zellen und Bewegungen kannst du nur im Lichtmikroskop beobachten.

Das lernst du hier

  • Lichtmikroskop, TEM und REM in Strahlung, Auflösung und Präparat vergleichen,
  • erklären, warum Elektronen feinere Strukturen sichtbar machen als Licht,
  • Zellstrukturen dem passenden Mikroskop zuordnen,
  • für eine Forschungsfrage das geeignete Mikroskop auswählen und begründen.

Lichtmikroskop und Elektronenmikroskop: der Unterschied im Überblick

Beim Elektronenmikroskop unterscheidet man zwei Grundtypen: Im Transmissionselektronenmikroskop (TEM) durchdringen die Elektronen eine hauchdünne Probe, ähnlich wie das Licht im Schulmikroskop. Im Rasterelektronenmikroskop (REM) tastet ein feiner Elektronenstrahl die Oberfläche Punkt für Punkt ab. Die Tabelle zeigt alle drei Geräte im Vergleich.

KriteriumLichtmikroskopTEMREM
Strahlungsichtbares Licht (Wellenlänge 400–700 nm)Elektronen, meist 80–300 kV beschleunigtElektronen, meist unter 20 kV
LinsenGlaslinsenMagnetlinsen (Spulen)Magnetlinsen, dazu Ablenkspulen
Auflösungca. 0,2 µm = 200 nmbei Zellschnitten wenige nm, bei Spezialgeräten unter 0,1 nmbis etwa 1 nm
sinnvolle Vergrößerungbis etwa 1000- bis 1500-fachbis in die Millionensehr hoch, je nach Probe
Was wird abgebildet?ganze Zellen, Gewebe, auch lebendInnenleben in ultradünnen SchnittenOberflächen, räumlich wirkend
Umgebung der ProbeLuft, WasserVakuumVakuum (Sonderformen mit feuchter Kammer)
Bildfarbig, Bewegung sichtbarGraustufenGraustufen
Aufwandgering, im Klassenraum nutzbarhoch: teuer, schwingungsarmer Raum, Fachpersonalhoch, Probenvorbereitung etwas einfacher als beim TEM

Farbige Elektronenmikroskop-Bilder, wie du sie aus Zeitschriften kennst, sind nachträglich eingefärbt. Man nennt sie Falschfarbenbilder. Elektronen haben keine Farbe – der Detektor misst nur, wie viele von ihnen ankommen.

Warum Elektronen schärfer „sehen“ als Licht

Wie fein ein Mikroskop Details trennen kann, hängt vor allem von der Wellenlänge der verwendeten Strahlung ab. Grob gilt: Strukturen, die deutlich kleiner sind als etwa die halbe Wellenlänge, verschwimmen. Sichtbares Licht hat Wellenlängen von 400 bis 700 nm, daher liegt die Grenze des Lichtmikroskops bei rund 200 nm. Wie man diese Grenze genau berechnet, steht in der Vertiefung auf der Hauptseite zum Lichtmikroskop und seiner Auflösungsgrenze.

Elektronen verhalten sich ebenfalls wie Wellen. Je schneller sie sind, desto kürzer ist ihre Wellenlänge. In einem Elektronenmikroskop werden sie mit Spannungen von vielen Tausend Volt beschleunigt; ihre Wellenlänge ist dann mehr als 100.000-mal kleiner als die von sichtbarem Licht. Glaslinsen würden Elektronen einfach verschlucken. Stattdessen lenken stromdurchflossene Spulen den Strahl – die Magnetlinsen. Und weil schon Luftmoleküle die Elektronen ablenken würden, muss im Gerät ein Vakuum herrschen.

Ein häufiges Missverständnis betrifft die Vergrößerung. Sie lässt sich im Lichtmikroskop mit stärkeren Okularen fast beliebig steigern, aber oberhalb von etwa 1500-fach kommen keine neuen Details hinzu. Man spricht von leerer Vergrößerung. Entscheidend ist immer das Auflösungsvermögen, nicht die Zahl auf dem Objektiv.

Strahlengang in Lichtmikroskop, TEM und REM im Vergleich Drei schematische Geräte nebeneinander. Links das Lichtmikroskop: Licht aus einer Lampe unten wird vom Kondensor auf das Präparat gebündelt, Objektiv und Okular vergrößern, oben schaut das Auge hinein. Mitte das Transmissionselektronenmikroskop in einer Vakuumsäule: Elektronen kommen von oben aus der Elektronenquelle, die Kondensorlinse bündelt sie, sie durchdringen einen Ultradünnschnitt, Objektiv- und Projektivlinse vergrößern, unten entsteht das Bild auf einem Leuchtschirm oder einer Kamera. Rechts das Rasterelektronenmikroskop: Der Elektronenstrahl wird von Ablenkspulen zeilenweise über die metallbedampfte Probe geführt; ein seitlicher Detektor fängt herausgeschlagene Elektronen auf, das Bild entsteht Punkt für Punkt. Unten die Auflösung: etwa 200 nm, bis unter 0,1 nm und bis etwa 1 nm. LichtmikroskopTEMREM Licht durchstrahlt die ProbeElektronen durchstrahlenElektronen tasten ab AugeOkularObjektivPräparatKondensorLampe (auch lebend) ElektronenquelleKondensorlinseUltradünnschnittObjektivlinseProjektivlinseLeuchtschirm (fixiert, 60–80 nm)oder Kamera VakuumVakuum ElektronenquelleKondensorlinseAblenkspulenObjektivlinseDetektorProbe, mit Metall (Rasterung)bedampft Auflösung ≈ 200 nmbis unter 0,1 nmbis etwa 1 nm
Abb. 1: Strahlengang im Vergleich (schematisch, nicht maßstäblich). Im Lichtmikroskop kommt das Licht von unten, im TEM die Elektronen von oben. Im REM entsteht das Bild Punkt für Punkt: Der Strahl wird zeilenweise über die Probe geführt (gestrichelt), ein Detektor zählt die herausgeschlagenen Elektronen. Die TEM-Bestwerte erreichen Spezialgeräte an Materialproben; bei Zellschnitten liegt die Auflösung bei wenigen Nanometern.

TEM und REM: zwei Elektronenmikroskope für zwei Fragen

Das TEM zeigt, was in einer Zelle steckt. Weil Elektronen biologisches Material kaum durchdringen, muss die Probe extrem dünn sein. Typisch sind Ultradünnschnitte von 60 bis 80 nm – eine einzelne Zelle wird also in Hunderte Scheiben zerlegt. Jeder Schnitt ergibt ein flaches Graustufenbild: Membranen erscheinen als feine dunkle Linien, Ribosomen als Pünktchen, die inneren Falten der Mitochondrien als Streifen. Fast alles, was du in Schulbüchern als „Bau der Zelle“ siehst, stammt ursprünglich aus TEM-Aufnahmen.

Das REM zeigt, wie etwas von außen aussieht. Der Strahl wird von Ablenkspulen zeilenweise über die Probe geführt, ähnlich wie man eine Seite Zeile für Zeile liest. An jedem Punkt schlägt er Elektronen aus der Oberfläche heraus, die ein Detektor auffängt. Aus diesen Messwerten setzt ein Computer das Bild zusammen. Damit sich die Probe nicht elektrisch auflädt, wird sie vorher hauchdünn mit Metall bedampft. REM-Bilder wirken plastisch und haben eine große Schärfentiefe: Pollenkörner, Insektenaugen oder Bakterien auf einer Zahnoberfläche erscheinen fast wie Fotos.

Was sieht man womit? Strukturen und ihre Größe

Strukturtypische GrößeLichtmikroskopElektronenmikroskop
Mundschleimhautzelleetwa 50 µmja, auch lebendja (TEM: Schnitt, REM: Oberfläche)
Zellkerneinige µmja, besonders nach Färbungja, mit Kernhülle und Kernporen
Bakteriumetwa 1–5 µmja, Form erkennbarja, mit Feinbau
Mitochondriumetwa 0,5–1 µm dickknapp, nur als Pünktchen oder Stäbchenja, mit inneren Falten (Cristae)
Virusmeist 20–300 nmneinja
Ribosometwa 25 nmneinja (TEM)
Zellmembran (Dicke)unter 10 nmnein, nur als Grenzlinieja, als doppelte dunkle Linie (TEM)

Merke

Das Lichtmikroskop zeigt lebende Zellen und Vorgänge, aber keine Strukturen unter etwa 0,2 µm. Das Elektronenmikroskop zeigt Feinstrukturen bis in den Nanometerbereich, aber nur an toten, präparierten Proben im Vakuum. TEM = Innenleben im Schnitt, REM = Oberfläche.

Lebend oder fixiert: der Preis der Auflösung

Im Lichtmikroskop kannst du eine Wasserpest-Zelle beobachten, während ihre Chloroplasten im strömenden Zellplasma kreisen. Im Elektronenmikroskop ist das unmöglich. Eine biologische Probe besteht großteils aus Wasser, das im Vakuum sofort verdampfen würde, und der Elektronenstrahl würde lebendes Material schädigen. Für das TEM durchläuft eine Probe deshalb eine lange Vorbereitung:

  1. FixierenChemikalien vernetzen die Moleküle und halten die Strukturen im Zustand des Moments fest. Die Zellen sterben dabei.
  2. EntwässernDas Wasser wird schrittweise, zum Beispiel durch Alkohol, ersetzt.
  3. EinbettenDie Probe wird mit flüssigem Kunstharz durchtränkt, das anschließend aushärtet.
  4. SchneidenEin Ultramikrotom mit Glas- oder Diamantmesser schneidet Scheiben von 60 bis 80 nm Dicke.
  5. KontrastierenSchwermetallsalze lagern sich an bestimmte Zellbestandteile an und machen sie im Bild dunkel.

Jeder dieser Schritte kann das Bild verändern: Strukturen schrumpfen, verklumpen oder reißen. Solche Artefakte muss man beim Deuten einer Aufnahme mitdenken. Moderne Verfahren frieren Proben deshalb blitzschnell ein, statt sie chemisch zu fixieren. Wie die Elektronenmikroskopie 1931 überhaupt begann, erzählt die Geschichte des Mikroskops.

Typische Fehler

  • „Das Elektronenmikroskop vergrößert einfach stärker.“ Entscheidend ist die bessere Auflösung durch die kürzere Wellenlänge. Ohne sie wäre stärkere Vergrößerung nur leere Vergrößerung.
  • „Im Elektronenmikroskop sieht man Farben.“ Elektronenbilder sind Graustufen. Bunte Bilder sind nachträglich eingefärbt.
  • „REM-Bilder zeigen das Innere der Zelle.“ Das REM bildet Oberflächen ab. Das Innere zeigt das TEM an dünnen Schnitten.
  • „Mit dem Elektronenmikroskop kann man zusehen, wie sich eine Zelle teilt.“ Die Proben sind fixiert und tot. Abläufe beobachtet man im Lichtmikroskop.
Vertiefung Oberstufe: Wellenlänge der Elektronen und Kontrast im TEM

Nach Louis de Broglie hat jedes bewegte Teilchen eine Wellenlänge λ = h / p (h: Planck-Konstante, p: Impuls). Ein Elektron, das eine Spannung von 100 kV durchlaufen hat, ist so schnell, dass man relativistisch rechnen muss. Es ergibt sich λ ≈ 0,0037 nm, also rund 3,7 Pikometer – etwa 150.000-mal weniger als die 550 nm von grünem Licht. Theoretisch wäre damit eine Auflösung im Pikometerbereich möglich. Praktisch begrenzen die Linsenfehler der Magnetlinsen den nutzbaren Öffnungswinkel stark. Erst Geräte mit aufwendigen Korrektursystemen erreichen Auflösungen unter 0,1 nm und machen einzelne Atomreihen in Kristallen sichtbar.

Bei Zellen kommt ein zweites Problem hinzu: der Kontrast. Im TEM entsteht er vor allem dadurch, dass Atome die Elektronen streuen. Schwere Atome mit hoher Ordnungszahl und dickere Bereiche streuen stärker. Eine Blende hinter der Probe hält gestreute Elektronen zurück, sodass stark streuende Stellen dunkel erscheinen (Massendickenkontrast). Zellen bestehen aber fast nur aus leichten Atomen wie Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff, die alle ähnlich schwach streuen. Ohne Kontrastmittel wäre ein Zellschnitt kaum mehr als ein gleichmäßig grauer Schleier. Deshalb färbt man mit Schwermetallsalzen: Sie lagern sich bevorzugt an Membranen, Nukleinsäuren und Proteine an und lassen diese Strukturen dunkel hervortreten.

Daraus folgt auch eine Grenze der Methode: Ein TEM-Bild zeigt nicht die Moleküle selbst, sondern die Verteilung des angelagerten Metalls. Zusammen mit Schrumpfung und Schnittdicke erklärt das, warum Zellschnitte nur auf wenige Nanometer genau abgebildet werden – deutlich schlechter, als die Wellenlänge der Elektronen erlauben würde.

Fachbegriffe

Auflösungsvermögen
Kleinster Abstand zweier Punkte, die ein Mikroskop noch getrennt abbildet.
TEM
Transmissionselektronenmikroskop: Elektronen durchdringen ultradünne Schnitte und zeigen das Innere von Zellen.
REM
Rasterelektronenmikroskop: Ein Elektronenstrahl tastet die metallbedampfte Oberfläche Punkt für Punkt ab.
Magnetlinse
Stromdurchflossene Spule, deren Magnetfeld Elektronenstrahlen bündelt wie eine Glaslinse das Licht.
Falschfarben
Nachträglich eingefügte Farben in Graustufenbildern, etwa bei Elektronenmikroskop-Aufnahmen.
Artefakt
Veränderung im Bild, die durch die Präparation entsteht und nicht in der lebenden Zelle vorkommt.

Aufgaben

AFB I Wissen wiedergeben AFB II Anwenden AFB III Beurteilen

  1. AFB INenne je zwei Vorteile des Lichtmikroskops und des Elektronenmikroskops.
    Lösung anzeigen

    Lichtmikroskop: lebende Zellen und Bewegungen beobachtbar; farbige Bilder; einfache Präparate; günstig und im Klassenraum nutzbar. Elektronenmikroskop: viel höhere Auflösung (Nanometerbereich und darunter); Feinstrukturen wie Ribosomen, Membranen, Viren sichtbar; REM zeigt Oberflächen räumlich wirkend mit großer Schärfentiefe.

  2. AFB IIOrdne zu, mit welchem Mikroskop du folgende Strukturen sichtbar machen kannst, und begründe kurz: a) Zellkern einer Zwiebelzelle, b) Ribosomen, c) Oberfläche eines Pollenkorns, d) Cristae eines Mitochondriums.
    Lösung anzeigen

    a) Lichtmikroskop (einige µm groß, nach Färbung gut sichtbar). b) TEM (etwa 25 nm, weit unter der Auflösung des Lichtmikroskops). c) REM (Oberfläche, räumliche Wirkung). d) TEM (innere Struktur, nur im Schnitt und unterhalb der Lichtgrenze).

  3. AFB IIErkläre, warum ein Elektronenmikroskop im Vakuum arbeitet und warum es Magnetlinsen statt Glaslinsen hat.
    Lösung anzeigen

    Luftmoleküle würden die Elektronen streuen und ablenken; ein scharfes Bild entstünde nicht. Glas würde die Elektronen nicht brechen, sondern abbremsen und schlucken. Elektronen sind elektrisch geladen; Magnetfelder von Spulen können ihre Bahn ablenken und den Strahl so bündeln wie eine Glaslinse das Licht.

  4. AFB IIAnalysiere folgende Bildunterschrift: „Bakterium, 50.000-fach vergrößert, natürliche Farben, lebend aufgenommen im Rasterelektronenmikroskop.“ Finde die Fehler.
    Lösung anzeigen

    „Natürliche Farben“ ist falsch: REM-Bilder sind Graustufen, Farben sind nachträglich eingefügt (Falschfarben). „Lebend“ ist falsch: Im REM wird die Probe im Vakuum untersucht und vorher fixiert, getrocknet und mit Metall bedampft. Die Vergrößerung selbst ist plausibel.

  5. AFB IIIBeurteile den Vorschlag, die Frage „Wie schnell bewegen sich Chloroplasten in der Wasserpest bei Licht und bei Dunkelheit?“ mit einem TEM zu untersuchen. Schlage eine bessere Methode vor.
    Lösung anzeigen

    Der Vorschlag ist ungeeignet. Die Frage betrifft eine Bewegung in lebenden Zellen. Im TEM ist die Probe fixiert, entwässert und geschnitten – es gibt keine Bewegung mehr, und man sieht nur einen Augenblick in einer dünnen Scheibe. Die hohe Auflösung wird hier gar nicht gebraucht, denn Chloroplasten sind mehrere µm groß. Geeignet ist das Lichtmikroskop: Man beobachtet frische Blättchen bei verschiedener Beleuchtung, misst mit Messokular und Stoppuhr oder per Videoaufnahme, welche Strecke die Chloroplasten in einer bestimmten Zeit zurücklegen, und wiederholt die Messung an mehreren Zellen.

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Quellen & Stand

Stand: Oktober 2026.

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