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Mitochondrien: die Kraftwerke der Zelle

Vertiefung zum ThemaZellorganellen

„Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zelle“ – diesen Satz kennst du vermutlich. Er stimmt ungefähr, verrät aber wenig: Wie ist ein Mitochondrium gebaut, was passiert dort genau, und warum hast du deine Mitochondrien nur von deiner Mutter? Diese Seite beantwortet die Fragen, die nach dem Merksatz kommen.

Einfach erklärt

Diese Seite vertieft das Thema Zellbausteine. Sie erklärt die Mitochondrien genau. Ein Mitochondrium hat zwei Hüllen. Die innere Hülle ist stark gefaltet. Diese Falten heißen Cristae. Sie schaffen viel Fläche für die Arbeit.

Die Zellatmung läuft zum größten Teil in den Mitochondrien ab. Dabei baut die Zelle Zucker mit Sauerstoff ab. Es entstehen Kohlenstoffdioxid und Wasser. Die Energie speichert die Zelle in ATP. Das ist der Energieträger in der Zelle. Aus einem Traubenzucker entstehen rund 30 ATP. Achtung: Der Sauerstoff wird dabei zu Wasser, nicht zu Kohlenstoffdioxid.

Mitochondrien haben eine eigene Erbinformation. Sie stammt fast nur von deiner Mutter. Die Eizelle bringt nämlich ihre Mitochondrien mit. Die Mitochondrien aus der Spermienzelle verschwinden wieder. Mitochondrien stammen übrigens von Bakterien ab.

Merke: Mitochondrien machen die Energie aus Nährstoffen als ATP nutzbar.

Kurz gesagt

Mitochondrien sind Zellorganellen mit zwei Membranen. Die innere Membran ist zu Cristae gefaltet; innen liegt die Matrix. In Mitochondrien läuft der größte Teil der Zellatmung ab: Abbauprodukte von Zucker und Fetten werden mit Sauerstoff zu Kohlenstoffdioxid und Wasser abgebaut, die frei werdende Energie wird als ATP gespeichert. Mitochondrien besitzen eine eigene ringförmige DNA, die fast nur über die Mutter vererbt wird.

Das lernst du hier

  • den Aufbau eines Mitochondriums beschreiben und die Räume benennen,
  • den Ablauf der Zellatmung den Orten in Zelle und Mitochondrium zuordnen,
  • erklären, wie an der Innenmembran ATP entsteht,
  • die mütterliche Vererbung der Mitochondrien-DNA an Stammbäumen anwenden.

Aufbau der Mitochondrien: zwei Membranen, vier Räume

Ein Mitochondrium ist etwa so groß wie ein Bakterium; im Schulmikroskop erscheint es höchstens als winziges Pünktchen, seinen Feinbau zeigt erst das Elektronenmikroskop. Von außen nach innen unterscheidet man:

BereichBauAufgabe
Außenmembranglatt, mit Kanalproteinen (Porinen)für kleine Moleküle gut durchlässig
Intermembranraumschmaler Spalt zwischen den MembranenSammelraum für Protonen (H⁺) bei der Zellatmung
Innenmembranstark gefaltet (Cristae), sehr proteinreich, kaum durchlässigSitz der Atmungskette und der ATP-Synthase
Matrixzähflüssiger Innenraum mit Enzymen, mtDNA und RibosomenCitratzyklus, Ablesen der mtDNA

Die Faltung lohnt sich: In Leber-Mitochondrien ist die Innenmembran etwa fünfmal so groß wie die Außenmembran. Mehr Fläche bedeutet mehr Platz für die Proteine der Atmungskette. Wie viele Mitochondrien eine Zelle hat, hängt von ihrem Energiebedarf ab. Eine Leberzelle kann über tausend enthalten, reife rote Blutkörperchen haben gar keine. In vielen Zellen bilden Mitochondrien außerdem kein Sammelsurium einzelner „Bohnen“, sondern ein Netzwerk, das ständig verschmilzt und sich wieder teilt.

Mitochondrium im Längsschnitt und die Orte der Zellatmung Links im Zytosol wird Glucose in der Glykolyse zu zwei Pyruvat abgebaut, dabei entstehen zwei ATP. Ein Pfeil führt das Pyruvat in das Mitochondrium. Das Mitochondrium ist im Längsschnitt gezeichnet: Außenmembran, schmaler Intermembranraum, gefaltete Innenmembran mit Cristae und die Matrix. In der Matrix liegen der Citratzyklus, aus dem Kohlenstoffdioxid abgegeben wird, sowie ringförmige mtDNA und Ribosomen. Unten ein vergrößerter Ausschnitt der Innenmembran: Drei Komplexe der Atmungskette pumpen Protonen in den Intermembranraum. Die Protonen strömen durch die ATP-Synthase zurück in die Matrix, dabei entsteht aus ADP und Phosphat ATP. Zytosol Glucose Glykolyse+ 2 ATP 2 Pyruvat Mitochondrium Pyruvat Citrat-zyklus CO₂ AußenmembranIntermembranraumInnenmembranMatrixmtDNA, Ribosomen gefaltet zu Cristae IntermembranraumMatrix Innenmembran H⁺H⁺H⁺H⁺ Atmungskette ATP-Synthase ADP + P → ATP
Abb. 1: Mitochondrium und Orte der Zellatmung (schematisch). Die Glykolyse läuft im Zytosol, der Citratzyklus in der Matrix, die Atmungskette an der Innenmembran. Grüne Punkte: ATP-Synthasen. Unten vergrößert: Die Atmungskette pumpt Protonen (H⁺) in den Intermembranraum; beim Zurückströmen durch die ATP-Synthase entsteht ATP.

Zellatmung im Überblick: vom Zucker zum ATP

Die Zellatmung lässt sich in einer einzigen Summengleichung zusammenfassen: C₆H₁₂O₆ + 6 O₂ → 6 CO₂ + 6 H₂O. Dahinter stecken aber viele Einzelschritte an verschiedenen Orten. Die Energie der Glucose wird nicht auf einmal frei wie bei einer Verbrennung, sondern portionsweise.

  1. Glykolyse (Zytosol)Glucose wird in zwei Moleküle Pyruvat gespalten. Netto entstehen 2 ATP, außerdem werden energiereiche Elektronen auf den Überträger NAD⁺ geladen (es entsteht NADH). Sauerstoff wird hier noch nicht gebraucht.
  2. Umbau des Pyruvats (Matrix)Pyruvat wird ins Mitochondrium transportiert. Dort wird ein CO₂ abgespalten, der Rest als Acetyl-Gruppe an einen Träger (Coenzym A) gebunden.
  3. Citratzyklus (Matrix)Die Acetyl-Gruppe wird in einem Kreislauf von Reaktionen vollständig zu CO₂ abgebaut. Dabei werden weitere Elektronen auf NAD⁺ und FAD geladen; pro Glucose entstehen 2 ATP.
  4. Atmungskette und ATP-Synthase (Innenmembran)NADH und FADH₂ geben ihre Elektronen an die Atmungskette ab. Am Ende nimmt Sauerstoff die Elektronen auf und bildet mit Protonen Wasser. Die dabei frei werdende Energie pumpt Protonen in den Intermembranraum; beim Zurückströmen treiben sie die ATP-Synthase an. Hier entsteht der weitaus größte Teil des ATP.

Wie viel ATP am Ende herauskommt, steht in älteren Büchern oft als „36 bis 38 ATP pro Glucose“. Heutige Schätzungen liegen bei rund 30, weil ein Teil der Protonen ungenutzt durch die Membran zurücksickert und der Transport von Pyruvat, Phosphat und ADP ins Mitochondrium selbst Energie kostet. Die Glykolyse im Zytosol stellt die Seite über das Zellplasma vor; wie Mitochondrien mit den anderen Organellen zusammenarbeiten, zeigt die Hauptseite zu den Zellorganellen und ihren Aufgaben.

Merke

Glykolyse im Zytosol, Citratzyklus in der Matrix, Atmungskette und ATP-Synthase an der Innenmembran. Der Sauerstoff wird zu Wasser; das CO₂ stammt aus den Kohlenstoffatomen der Glucose. Pro Glucose entstehen rund 30 ATP.

Herkunft: Mitochondrien waren einmal Bakterien

Doppelmembran, ringförmige DNA, bakterienähnliche Ribosomen und Vermehrung durch Teilung: Alles spricht dafür, dass Mitochondrien von Bakterien abstammen, die vor sehr langer Zeit von einer Vorläuferzelle aufgenommen und nicht verdaut wurden. DNA-Vergleiche zeigen die nächste Verwandtschaft zu den Alphaproteobakterien. Die Belege dieser Endosymbiontentheorie im Einzelnen findest du auf der Hauptseite. Bemerkenswert ist, was aus dem einstigen Bakterium geworden ist: Die meisten seiner Gene sind im Lauf der Evolution in den Zellkern gewandert. Ein heutiges Mitochondrium könnte allein nicht mehr überleben.

Mitochondrien-DNA: das Erbe der Mutter

Die menschliche Mitochondrien-DNA (mtDNA) ist ein Ring aus 16.569 Basenpaaren. Sie enthält 37 Gene: 13 davon codieren Proteine der Atmungskette und der ATP-Synthase, 22 tRNAs und 2 ribosomale RNAs. Jedes Mitochondrium besitzt mehrere Kopien davon. Alle übrigen Proteine der Mitochondrien – viele Hundert – werden im Zellkern codiert, im Zytosol hergestellt und importiert.

Bei der Befruchtung bringt die Eizelle ihre Mitochondrien mit, die wenigen Mitochondrien der Spermienzelle werden abgebaut. Deshalb wird mtDNA in aller Regel nur über die Mutter vererbt. Das hat Folgen für Erkrankungen, die durch Mutationen in der mtDNA entstehen: Eine betroffene Mutter kann die Veränderung an alle ihre Kinder weitergeben, ein betroffener Vater an keines. Wie schwer jemand erkrankt, hängt oft davon ab, welcher Anteil der mtDNA-Kopien verändert ist. Liegen veränderte und normale Kopien gemischt vor, spricht man von Heteroplasmie. Besonders betroffen sind Organe mit hohem Energiebedarf wie Muskeln, Gehirn und Augen. Was du sonst von Vater und Mutter erbst, erklärt die Seite Was erbt man vom Vater, was von der Mutter?.

Viele Abläufe beim Bau von Proteinen, die in Membranen oder nach außen gelangen, laufen dagegen über ein anderes Team von Organellen: endoplasmatisches Retikulum und Golgi-Apparat.

Typische Fehler

  • „Die ganze Zellatmung läuft im Mitochondrium ab.“ Die Glykolyse findet im Zytosol statt.
  • „Der eingeatmete Sauerstoff wird zu CO₂.“ Falsch. Sauerstoff wird zu Wasser. Das ausgeatmete CO₂ stammt aus dem Kohlenstoff der Nährstoffe.
  • „Mitochondrien stellen alle ihre Proteine selbst her.“ Die mtDNA codiert nur 13 Proteine. Die allermeisten stammen aus Genen im Zellkern.
  • „Pro Glucose entstehen genau 38 ATP.“ Das ist ein veralteter Maximalwert. Realistisch sind rund 30.
Vertiefung Oberstufe: Wenn Mitochondrien heizen – braunes Fett

Die ATP-Bildung an der Innenmembran funktioniert wie ein Wasserkraftwerk mit Stausee. Die Atmungskette pumpt Protonen in den Intermembranraum und baut so einen Konzentrations- und Ladungsunterschied auf. Diesen Protonengradienten nutzt die ATP-Synthase: Die Protonen strömen durch sie zurück in die Matrix und treiben dabei einen molekularen Rotor an, der ADP und Phosphat zu ATP verknüpft. Diese Kopplung von Elektronentransport und ATP-Bildung über einen Protonengradienten heißt Chemiosmose.

Im braunen Fettgewebe wird diese Kopplung absichtlich gelöst. Die Mitochondrien dort besitzen ein zusätzliches Protein, das Thermogenin (UCP1). Es bildet einen Kanal, durch den Protonen an der ATP-Synthase vorbei in die Matrix zurückströmen. Die Energie des Gradienten wird dann nicht in ATP gespeichert, sondern als Wärme frei – der Stausee läuft gewissermaßen über einen Überlauf ab, ohne die Turbine anzutreiben. Braunes Fett ist bei Neugeborenen und bei Winterschläfern besonders wichtig; beim Menschen ist es nach der Geburt vorhanden und nimmt mit dem Alter ab. Seine braune Farbe verdankt es übrigens den vielen Mitochondrien.

Das Beispiel zeigt, warum „Kraftwerk“ ein passender, aber unvollständiger Vergleich ist: Mitochondrien wandeln Energie um, und je nach Bedarf kann das Ergebnis ATP oder Wärme sein.

Fachbegriffe

Cristae
Falten der inneren Mitochondrienmembran; vergrößern die Fläche für Atmungskette und ATP-Synthase.
Matrix
Innenraum des Mitochondriums mit Enzymen des Citratzyklus, mtDNA und Ribosomen.
Zellatmung
Abbau von Nährstoffen mit Sauerstoff zu CO₂ und Wasser, bei dem Energie als ATP gespeichert wird.
ATP-Synthase
Enzym der Innenmembran, das mithilfe zurückströmender Protonen ATP aus ADP und Phosphat bildet.
mtDNA
Ringförmige DNA der Mitochondrien; beim Menschen 16.569 Basenpaare mit 37 Genen, mütterlich vererbt.
Heteroplasmie
Gemisch aus veränderten und normalen mtDNA-Kopien in einer Zelle oder einem Gewebe.

Aufgaben

AFB I Wissen wiedergeben AFB II Anwenden AFB III Beurteilen

  1. AFB IBeschreibe den Aufbau eines Mitochondriums von außen nach innen und nenne zu jedem Bereich eine Aufgabe.
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    Außenmembran: glatt, durch Porine für kleine Moleküle durchlässig. Intermembranraum: schmaler Spalt, in den die Atmungskette Protonen pumpt. Innenmembran: zu Cristae gefaltet, kaum durchlässig, trägt Atmungskette und ATP-Synthase. Matrix: Innenraum mit den Enzymen des Citratzyklus, mtDNA und Ribosomen.

  2. AFB IIOrdne die Teilschritte der Zellatmung ihren Orten zu und gib an, wo der meiste Sauerstoff verbraucht und wo CO₂ frei wird.
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    Glykolyse: Zytosol. Umbau des Pyruvats und Citratzyklus: Matrix. Atmungskette und ATP-Synthase: Innenmembran. Sauerstoff wird ausschließlich am Ende der Atmungskette an der Innenmembran verbraucht (er wird zu Wasser). CO₂ wird beim Umbau des Pyruvats und im Citratzyklus in der Matrix frei.

  3. AFB IIErkläre, warum Herzmuskelzellen besonders viele Mitochondrien mit dicht gepackten Cristae besitzen.
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    Das Herz arbeitet ununterbrochen und braucht dafür ständig viel ATP. Mehr Mitochondrien bedeuten mehr Zellatmung. Dicht gepackte Cristae vergrößern die Innenmembran und damit den Platz für Atmungskette und ATP-Synthase – pro Mitochondrium kann so mehr ATP gebildet werden. Bau und Funktion passen zusammen (Prinzip der Oberflächenvergrößerung).

  4. AFB IIWende an: Eine Frau trägt eine krankheitsverursachende Mutation in fast allen ihren mtDNA-Kopien. Ihr Partner ist nicht betroffen. Gib an, welche ihrer Kinder die Mutation erben können, und vergleiche mit dem umgekehrten Fall (betroffener Mann, nicht betroffene Frau).
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    Die mtDNA stammt praktisch ausschließlich aus der Eizelle. Deshalb können alle Kinder der Frau – Töchter wie Söhne – die Mutation erben. Weitergeben können sie aber nur die Töchter. Im umgekehrten Fall erbt kein Kind die Mutation des Vaters, weil die Mitochondrien der Spermienzelle nach der Befruchtung abgebaut werden. Wie stark die Kinder erkranken, kann je nach Anteil veränderter Kopien (Heteroplasmie) unterschiedlich sein.

  5. AFB IIIBeurteile den Vergleich „Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zelle“. Berücksichtige dabei Energieerhaltung und das Beispiel braunes Fett.
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    Treffend: Wie ein Kraftwerk wandeln Mitochondrien Energie aus einem Brennstoff (Glucose, Fettsäuren) in eine nutzbare Form um (ATP), verbrauchen dabei Sauerstoff und geben CO₂ ab. Ungenau: Sie „erzeugen“ keine Energie, sondern wandeln chemische Energie um. Die Energie wird zudem nicht in einem Schritt frei, sondern portionsweise. Das Beispiel braunes Fett zeigt, dass sie Energie gezielt auch als Wärme abgeben können. Außerdem leisten Mitochondrien mehr als Energieumwandlung, etwa Bausteine für andere Stoffwechselwege. Fazit: Als Merkhilfe brauchbar, für eine fachliche Erklärung zu grob.

Weiterlernen

Quellen & Stand

  • Wikipedia: Mitochondrion (Membranen, Cristae-Fläche, Anzahl, mtDNA-Gene, Thermogenin).
  • Wikipedia: Cellular respiration (Orte der Teilschritte, ATP-Ausbeute rund 30 statt 38).
  • NHGRI Talking Glossary: Mitochondria (mütterliche Vererbung).
  • Campbell Biologie, 11. Auflage, Pearson 2019, Kapitel 6 und 9 (Zellatmung).

Stand: Oktober 2026.

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