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Embryosplitting: Klonen durch Teilen

Vertiefung zum ThemaKlonen

Eineiige Zwillinge sind der häufigste Klon der Welt: Jeden Tag entstehen sie überall, ganz ohne Labor. Dahinter steckt ein einfacher Vorgang – ein früher Embryo teilt sich. Genau den nutzt die Tierzucht seit Jahrzehnten gezielt aus.

Einfach erklärt

Diese Seite vertieft das Thema Klonen. Embryosplitting – das heißt: Man teilt einen frühen Embryo in zwei oder mehr Teile. Ein Embryo ist ein Lebewesen ganz am Anfang seiner Entwicklung. Aus jedem Teil wächst ein ganzes Tier. Die Tiere haben dasselbe Erbgut. Sie sind künstliche eineiige Zwillinge.

Das Vorbild kommt aus der Natur. Bei eineiigen Zwillingen teilt sich ein früher Embryo von selbst. Das klappt nur in den ersten Tagen. Dann sind die Zellen noch totipotent. Das heißt: Jede Zelle kann noch ein ganzes Lebewesen bilden.

In der Rinderzucht nutzt man das Verfahren seit den 1980er-Jahren. Aus einem Embryo von einem wertvollen Tier entstehen so zwei Kälber. Ihre Eigenschaften kennt man aber vorher nicht. Der Embryo ist ja eine neue Mischung aus seinen Eltern. Beim Menschen ist Embryosplitting in Deutschland verboten.

Merke: Embryosplitting teilt einen frühen Embryo und erzeugt so künstliche eineiige Zwillinge.

Kurz gesagt

Embryosplitting (auch Embryonensplitting oder Embryoteilung) bedeutet, einen frühen Embryo in zwei oder mehr Teile zu trennen, aus denen sich je ein vollständiges Lebewesen entwickelt. Die Nachkommen sind genetisch gleich – künstlich erzeugte eineiige Mehrlinge. Das Verfahren funktioniert nur, solange die Zellen des Embryos totipotent sind, also noch ein ganzes Lebewesen bilden können. In der Rinderzucht wird es genutzt; beim Menschen ist es in Deutschland verboten.

Das lernst du hier

  • erklären, wie eineiige Zwillinge auf natürlichem Weg entstehen,
  • den Ablauf des künstlichen Embryosplittings beschreiben,
  • Embryosplitting und Zellkerntransfer vergleichen,
  • die Grenzen des Verfahrens und die Rechtslage beim Menschen beurteilen.

Eineiige Zwillinge: das natürliche Vorbild

Nach der Befruchtung teilt sich die Zygote immer weiter. Trennt sich dieser Zellhaufen in den ersten Tagen in zwei Gruppen, entwickelt sich aus jeder ein eigener Embryo. Beide stammen aus derselben befruchteten Eizelle und tragen dasselbe Erbgut: Sie sind eineiig (monozygot). Weltweit sind etwa 3 bis 4 von 1.000 Geburten eineiige Zwillinge, und diese Rate ist erstaunlich stabil – anders als bei zweieiigen Zwillingen, deren Häufigkeit mit dem Alter der Mutter und mit Kinderwunschbehandlungen steigt.

Spannend ist der Zeitpunkt der Teilung, denn er entscheidet darüber, was die Zwillinge sich später teilen. Die äußere Eihaut (Chorion) und die innere Eihaut (Amnion) entstehen nacheinander; was einmal gebildet ist, lässt sich nicht mehr aufteilen.

Teilung nach der BefruchtungWas entstehtAnteil (grobe Größenordnung)
bis Tag 3zwei eigene Plazenten, zwei Fruchtblasenetwa ein Drittel der Fälle
Tag 4 bis 8gemeinsame Plazenta, aber zwei Fruchtblasendie Mehrzahl der Fälle
ab Tag 9gemeinsame Plazenta und gemeinsame Fruchtblaseselten
ab etwa Tag 13die Trennung bleibt unvollständig (zusammengewachsene Zwillinge)sehr selten

Daran erkennst du eine wichtige Grenze: Nur ganz am Anfang sind die Zellen so wenig festgelegt, dass aus jedem Teil noch ein vollständiges Lebewesen werden kann. Nach ein paar Tagen ist diese Fähigkeit verloren. Was totipotente, pluripotente und multipotente Zellen unterscheidet, erklärt die Seite Totipotent, pluripotent, multipotent.

Merke

Eineiige Zwillinge sind Klone voneinander, aber keine Klone ihrer Eltern: Sie entstehen aus einer befruchteten Eizelle, in der die Gene von Mutter und Vater bereits neu kombiniert wurden. Embryosplitting ahmt genau diesen natürlichen Vorgang nach. Welche Klone es sonst noch gibt, zeigt der Überblick Was bedeutet Klonen?

So läuft künstliches Embryosplitting ab

Im Labor wird der Embryo in einem frühen Stadium unter dem Mikroskop geteilt. Dafür gibt es zwei Wege. Bei sehr frühen Embryonen trennt man die einzelnen Zellen (Blastomeren) voneinander und setzt jede in eine leere Eihülle, die vorher von einer anderen Eizelle gewonnen wurde. Bei etwas weiter entwickelten Embryonen wird der Zellhaufen mit einer feinen Klinge halbiert. Anschließend wachsen die Teile im Brutschrank weiter und werden auf Muttertiere übertragen (Abb. 1).

Embryosplitting: aus einem Embryo werden mehrere Vier Schritte von links nach rechts. Erstens ein Embryo im Vierzellstadium, umgeben von der Eihülle. Zweitens werden die vier Zellen getrennt und einzeln in leere Eihüllen gesetzt. Drittens entwickelt sich aus jeder Zelle im Labor ein eigener früher Embryo. Viertens werden die Embryonen auf Muttertiere übertragen; es entstehen genetisch gleiche Nachkommen. Unten der Hinweis, dass die Zellen dafür totipotent sein müssen und dass die Erfolgsrate mit der Zahl der Teile sinkt. 1 Embryo2 Zellen trennen3 Entwicklung4 Übertragung Vierzellstadiumje eine Zelle in eine Eihülleim Laborauf Muttertiere Eihülle (Zona pellucida) genetisch gleiche Tiere Das klappt nur, solange die Zellen totipotent sind: Jede muss noch ein ganzes Lebewesen bilden können. Je mehr Teile, desto weniger Zellen pro Teil – und desto seltener entwickelt sich daraus ein Jungtier.
Abb. 1: Embryosplitting im Vierzellstadium. Bernstein: Zellen des Embryos, grau umrandet: die Eihülle. Jede abgetrennte Zelle entwickelt sich in einer eigenen Hülle weiter. Vereinfacht: Gezeigt sind beispielhaft zwei Muttertiere; die Teile können auch auf mehrere Tiere verteilt werden.

Mit jedem zusätzlichen Teil sinkt die Zahl der Zellen, aus denen ein Embryo starten muss. Eine Halbierung gelingt deshalb deutlich zuverlässiger als eine Vierteilung. In der Rinderzucht ist das Verfahren seit den 1980er-Jahren etabliert: Aus einem Embryo eines besonders wertvollen Tieres lassen sich so zwei Kälber gewinnen.

Bei Primaten wurde das Verfahren wissenschaftlich erprobt. 2000 berichtete eine Forschungsgruppe in den USA über den Rhesusaffen Tetra. Die Zahlen aus dieser Arbeit zeigen, wie aufwendig das ist: Aus 107 geteilten Embryonen entstanden 368 Teilstücke; nach 13 Übertragungen gab es vier Schwangerschaften – und ein lebend geborenes Tier. Tetra entwickelte sich aus einem Viertel eines Embryos; daher der Name.

Embryosplitting oder Zellkerntransfer?

Beide Verfahren erzeugen genetisch gleiche Lebewesen, unterscheiden sich sonst aber grundlegend.

EmbryosplittingZellkerntransfer
Ausgangsmaterialfrüher Embryo nach einer BefruchtungKörperzelle plus entkernte Eizelle
Erbgutneu kombiniert, vorher unbekanntdas eines bereits lebenden Tieres
Zahl der Klonemeist zwei, selten mehrgrundsätzlich beliebig viele
Reprogrammierung nötig?nein, die Zellen sind schon embryonalja, der Zellkern muss zurückgesetzt werden
Erfolgsratevergleichsweise hochsehr gering
Mitochondrienalle aus derselben Eizelleaus der Eizelle der Spenderin, nicht vom Kernspender

Der entscheidende Unterschied für die Zucht: Beim Splitting weiß man vorher nicht, welche Eigenschaften die Tiere haben werden, denn der Embryo ist eine neue Kombination seiner Eltern. Beim Zellkerntransfer dagegen kennt man das Ergebnis bereits – es ist die Kopie eines Tieres, das es schon gibt.

Typische Fehler

  • „Eineiige Zwillinge sind Klone ihrer Eltern.“ Nein. Sie sind Klone voneinander. Ihr Erbgut ist eine neue Mischung aus mütterlichen und väterlichen Genen.
  • „Beim Embryosplitting wird Erbgut verändert.“ Es wird nichts verändert und nichts eingebaut – der Embryo wird nur geteilt. Das ist Biotechnologie, keine Gentechnik.
  • „Aus jeder Zelle eines Embryos kann ein neues Lebewesen werden.“ Nur solange die Zellen totipotent sind. Nach wenigen Teilungen sind sie bereits festgelegt.
  • „Geteilte Embryonen ergeben halb so große Tiere.“ Nein. Die Zellzahl wird wieder aufgeholt; die Entwicklung verläuft normal, nur der Start ist riskanter.

Wusstest du?

Eineiige Zwillinge haben dasselbe Erbgut, aber unterschiedliche Fingerabdrücke. Die feinen Linienmuster entstehen in der Schwangerschaft aus dem Zusammenspiel von Wachstum, Lage im Mutterleib und Zufall. Auch ein genetischer Fingerabdruck aus DNA kann eineiige Zwillinge nicht ohne Weiteres unterscheiden – die Papillarlinien auf der Fingerkuppe dagegen schon.

Vertiefung Oberstufe: Rechtslage beim Menschen und offene Fragen

In Deutschland regelt das Embryonenschutzgesetz (ESchG) den Umgang mit menschlichen Embryonen. Nach § 6 macht sich strafbar, wer künstlich bewirkt, dass ein menschlicher Embryo mit der gleichen Erbinformation wie ein anderer Embryo, ein Fötus, ein Mensch oder ein Verstorbener entsteht. Genau das wäre beim Embryosplitting der Fall. Verboten ist außerdem die Übertragung eines so entstandenen Embryos.

Dazu passt § 8: Als Embryo gilt nicht nur die befruchtete Eizelle ab der Kernverschmelzung, sondern auch jede totipotente Zelle, die sich bei Vorliegen der nötigen Bedingungen zu einem Menschen entwickeln kann. Eine einzelne abgetrennte Zelle eines sehr frühen Embryos ist nach dieser Definition selbst ein Embryo – sie darf also weder für Forschungszwecke verbraucht noch zum Klonen genutzt werden. Für die Praxis der Kinderwunschmedizin hat das Folgen: Bei einer Untersuchung am Embryo (Präimplantationsdiagnostik) dürfen in Deutschland nur Zellen entnommen werden, die nicht mehr totipotent sind.

Eine Frage, die sich daraus ergibt, ist eher philosophischer Natur: Ist der Embryo nach einer Teilung noch „derselbe“? Vertritt man die Ansicht, dass menschliches Leben mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle als unteilbares Individuum beginnt, wirft die natürliche Entstehung eineiiger Zwillinge eine Schwierigkeit auf: Bis zu diesem Zeitpunkt wäre dann nicht festgelegt, ob aus dem Embryo ein Mensch wird oder zwei. Manche Fachleute setzen deshalb einen späteren Zeitpunkt an, etwa das Ende der Zwillingsbildung um den 14. Tag. Andere halten gerade die Unteilbarkeit nicht für entscheidend. Die Argumente dazu findest du unter Ist Klonen ethisch vertretbar?

Fachbegriffe

Embryosplitting
Künstliche Teilung eines frühen Embryos in mehrere entwicklungsfähige Teile.
monozygot (eineiig)
Aus einer befruchteten Eizelle hervorgegangen; genetisch gleich.
Blastomere
Einzelne Zelle eines Embryos in den ersten Teilungsstadien.
totipotent
Fähig, ein vollständiges Lebewesen samt Plazenta hervorzubringen.
Zona pellucida
Hülle aus Glykoproteinen um Eizelle und frühen Embryo.
Embryonenschutzgesetz
Deutsches Gesetz von 1990, das unter anderem das Klonen von Menschen verbietet.

Aufgaben

AFB I Wissen wiedergeben AFB II Anwenden AFB III Beurteilen

  1. AFB IBeschreibe mithilfe von Abb. 1 den Ablauf des Embryosplittings in vier Schritten.
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    Ein früher Embryo, hier im Vierzellstadium, wird geöffnet. Die einzelnen Zellen werden getrennt und je in eine leere Eihülle gesetzt. Jede Zelle entwickelt sich im Labor zu einem eigenen frühen Embryo weiter. Die Embryonen werden auf Muttertiere übertragen; es entstehen genetisch gleiche Nachkommen.

  2. AFB IIErkläre, warum Embryosplitting nur in einem sehr frühen Stadium funktioniert.
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    Nur in den ersten Teilungen sind die Zellen totipotent: Jede kann noch alle Zelltypen samt Plazenta bilden. Danach spezialisieren sich die Zellen; aus einer einzelnen Zelle kann dann kein vollständiges Lebewesen mehr entstehen. Dasselbe zeigt die natürliche Zwillingsbildung: Sie ist nur in den ersten Tagen möglich, und eine späte Teilung bleibt unvollständig.

  3. AFB IIWerte aus: Bei Tetra wurden 107 Embryonen geteilt, daraus entstanden 368 Teilstücke, es gab 13 Übertragungen, 4 Schwangerschaften und 1 lebend geborenes Tier. Berechne den Anteil der Teilstücke, aus denen ein Tier wurde, und erläutere, was die Zahlen über das Verfahren aussagen.
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    1 von 368 Teilstücken entspricht etwa 0,27 %, also rund einem Viertelprozent. Allerdings wurden nur 13 Teilstücke überhaupt übertragen; bezogen darauf ist es 1 von 13, also etwa 8 %. Die Zahlen zeigen: Die meisten Teilstücke entwickelten sich schon im Labor nicht weit genug, und auch nach einer Übertragung gelingt nur ein kleiner Teil der Schwangerschaften. Das Verfahren ist bei Primaten also grundsätzlich möglich, aber sehr ineffizient. Für eine Beurteilung muss man zusätzlich wissen, wie viele Tiere für Eizellgewinnung und Austragung nötig waren.

  4. AFB IIVergleiche Embryosplitting und Zellkerntransfer. Nenne je einen Fall, in dem das eine und in dem das andere Verfahren sinnvoller ist.
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    Splitting: Ausgangsmaterial ist ein befruchteter Embryo, das Erbgut ist neu kombiniert und vorher unbekannt, es entstehen wenige Klone, die Erfolgsrate ist höher, eine Reprogrammierung entfällt. Zellkerntransfer: Ausgangsmaterial ist eine Körperzelle eines bekannten Tieres plus eine entkernte Eizelle, der Kern muss reprogrammiert werden, die Erfolgsrate ist gering, dafür ist das Ergebnis vorhersehbar und beliebig oft wiederholbar. Sinnvoll ist Splitting, wenn man aus einem wertvollen Embryo mehr Nachkommen gewinnen will, etwa in der Rinderzucht. Der Zellkerntransfer ist sinnvoll, wenn gezielt ein bestimmtes, bereits lebendes oder gestorbenes Tier kopiert werden soll, zum Beispiel im Artenschutz.

  5. AFB IIINimm Stellung: Ein Zuchtbetrieb schlägt vor, jeden Embryo routinemäßig zu vierteln, um mehr Kälber zu erhalten. Beurteile den Vorschlag fachlich und mit Blick auf das Tierwohl.
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    Fachlich: Mit jedem Teil sinkt die Zellzahl pro Embryo und damit die Wahrscheinlichkeit, dass er sich einnistet und austrägt. Eine Vierteilung bringt deshalb oft nicht mehr, sondern weniger Kälber als eine Halbierung. Tierwohl: Mehr Übertragungen bedeuten mehr hormonelle Behandlungen und Eingriffe bei den Muttertieren, auch bei erfolglosen Versuchen. Hinzu kommt, dass viele genetisch gleiche Tiere die Vielfalt im Bestand verringern und ihn anfälliger für Krankheiten machen. Eine begründete Position sollte abwägen und kann als Bedingung nennen, die Erfolgsraten vorab zu erheben und die Zahl der Eingriffe zu begrenzen.

Weiterlernen

Quellen & Stand

  • Chan, A. W. S. u. a.: Clonal propagation of primate offspring by embryo splitting. Science 287 (2000), S. 317–319 (Europe PMC).
  • Rahbaran, M. u. a.: Cloning and Embryo Splitting in Mammalians: Brief History, Methods, and Achievements. Stem Cells International 2021 (Europe PMC).
  • Embryonenschutzgesetz, §§ 6 und 8: gesetze-im-internet.de.

Stand: Oktober 2026.

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